Ausbeutung von Dienstmädchen: Anklage fordert Haft für arabische Prinzessinnen

Nun droht den arabischen Prinzessinnen eine Haftstrafe in Belgien.

Die Ankläger im Brüsseler Prozess gegen acht arabische Prinzessinnen haben Haft und eine Geldstrafe von insgesamt fast 1,9 Millionen Euro gefordert.

In Brüssel stehen acht arabische Prinzessinnen vor Gericht.

Jetzt hat die Anklage vorgetragen, was sie sich für ein Urteil erhofft. Das Gericht solle die Witwe eines Scheichs, sieben ihrer Töchter und einen Verwalter zu jeweils 18 Monaten Haft verurteilen, sagte der Anklagevertreter Henri Funck.

Eingesperrt, zusammengepfercht, ohne Lohn, als "Kühe, Hündinnen und Huren" beschimpft: "Die Arbeitsbedingungen verstießen gegen die Menschenwürde", erklärt der Anwalt Philippe Mortiaux. Die Angeklagten hatten die Zimmerflucht im vierten Stock gleich auf Jahresbasis gemietet - eine Prinzessin, so heißt es, habe sich in Brüssel einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterzogen.

Brüssel. Sie kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, um sich monatelang in einem Brüsseler Luxushotel einzuquartieren. Systematisch sollen sie ihre Angestellten gequält haben. Von Thomas Kirchner mehr. Und das auch nur, weil verzweifelte Dienstmädchen trotz strenger Bewachung aus dem Luxushotel fliehen konnten und sich an die Behörden wandten.

Die Verteidiger verlangten Freisprüche für ihre Mandanten, die selbst nicht zu dem Prozess erschienen waren. Sie argumentierten, nicht die Angeklagten hätten die Arbeitsverträge mit den Betroffenen abgeschlossen, sondern das Unternehmen "Private Department". Anwälte der Nebenklage hatten zum Prozessauftakt allerdings dargelegt, dass Mitglieder der Scheichfamilie - unter ihnen die Angeklagten - als Eigner eben dieses Unternehmens eingetragen seien.

Die Verteidiger der Prinzessinnen warfen einigen Beschäftigten laut Belga zudem vor, die Ereignisse weit übertrieben dargestellt zu haben. Die Köchinnen, Dienst- und Kindermädchen hatten nach Darstellung der Nebenklage rund um die Uhr und ohne freien Tag die Wünsche der Prinzessinnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erfüllen müssen.

Die Fälle beschränken sich nicht auf ferne Länder: "Seit vier Jahren war ich nicht beim Arzt, ich durfte nie allein raus, ich habe immer nur gearbeitet, ich habe keinen Lohn bekommen", erzählte eine 52-Jährige aus Ghana 2016 von ihrem Dasein in einem Berliner Diplomatenhaushalt. Ihre Anwälte fordern unter anderem 2500 Euro Schadensersatz für jede Frau - plus eine Nachzahlung für das angeblich nicht gezahlte Gehalt.

Die Hotelleitung sagte aus, von den Vorkommnissen nichts mitbekommen haben zu wollen: Gegen sie wird nicht ermittelt. "Unser Schlaf hing von ihrem Schlaf ab", gab eine Frau zu Protokoll.


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