TV-Duell: Hitziger Schlagabtausch zwischen Le Pen und Macron

Der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich neigt sich dem Ende entgegen. Le Pen nannte Macron einen "hämischen Banker", der für "wilde Globalisierung" stehe. "Ich warne davor, die Stichwahl am Sonntag als gelaufen anzusehen", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Rechtspopulistin und ihr sozialliberaler Kontrahent schenkten sich bei ihrem einzigen TV-Duell vor dem Finale der französischen Präsidentenwahl keinen Zentimeter.

Macron hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April, in der elf Kandidaten angetreten waren, mit einem Vorsprung von drei Prozentpunkten vor Le Pen gewonnen. Die Stichwahl in Frankreich stellt viele Gegner des Front National vor ein Dilemma: Sollen sie strategisch wählen, auch wenn sie Macron eigentlich ablehnen?

Meinungsforscher sehen Macron deutlich vor Le Pen, derzeit mit rund 60 Prozent.

Eine französische Abgeordnete ist bei einer Wahlkampfveranstaltung für den Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben. Das ergaben letzte Umfragen.

Der Pro-Europäer und die EU-Gegnerin stritten auch über die EU und den Euro. Le Pen ist die Kandidatin der rechtsextremen Partei Front National, die sie 2011 von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen übernommen hatte. Die Wahlen in Frankreich könnten diese Bewegung weiter besiegeln. Denn die Bewerber der traditionellen Regierungsparteien - Konservative und Sozialisten - waren schon im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Macron und Le Pen haben komplett unterschiedliche Programme und Weltbilder. Besonders hoch war die Zustimmung für Macron laut dem Institut Elabe mit 66 Prozent bei Anhängern des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon.

Macron ging als Sieger aus dem hitzigen TV-Duell mit Le Pen vom Mittwochabend hervor. Die Tageszeitung Le Monde urteilt an diesem Donnerstag, die "Spaltungen in der katholischen Kirche" lägen "offen zutage". "Die Lösung für jedes Problem ist die Zerstörung des Fremden, die Spannung mit den Nachbarländern, die Demagogie gegenüber unseren Mitbürgern und die persönliche Beschimpfung", sagte er. Mehrere französische Bischöfe sprachen sich unterdessen für die Wahl Macrons aus. Macron wolle nichts machen ohne das Einverständnis der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch der ehemalige US-Präsident Obama hat Macron öffentlich unterstützt. Ein TV-Kommentator fasste den Eindruck kompletter Orientierungslosigkeit, den sie erweckte, so zusammen: "Sie hatte sogar Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Sprechzettel abzulesen".

Macron steht zugleich für Kontinuität und für die Erneuerung des politischen Systems. Auf Twitter warf Le Pen Macrons Anhängern vor, "überall mit Gewalt" zu handeln, "selbst an. einem symbolischen und heiligen Ort". Beide Kandidaten haben an diesem Freitag noch Interviews vorgesehen, andere Auftritte sind nicht angekündigt. Die Menschen auf der französischen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste konnten schon von Samstagmittag MESZ an ihre Stimmen abgeben.

Das von den Sendern TF1 und France 2 organisierte Duell war in mehrere Themenblöcke gegliedert - die wirtschaftliche Situation Frankreichs, der Kampf gegen den Terror, Europa und die internationale Politik.

Das Wahlwochenende wurde von der Veröffentlichung zahlreicher interner Dokumente aus dem Wahlkampf-Team Macrons überschattet.

Macron bezichtigte Le Pen der Lüge und warf ihr vor, die "echte Erbin" der "Partei der extremen Rechten Frankreichs" zu sein. Den Euro gab es als Buchwährung erst seit 1999. Die Wahllokale sind bis 19.00 Uhr geöffnet, in großen Städten bis 20.00 Uhr.


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