Frankreich: Vor diesen Problemen steht Macron

Das ergeben erste Hochrechnungen. "Jeder Dritte hat Le Pen gewählt", sagt die 48-Jährige.

Als Garant für die Einheit der Gesellschaft hat sich Frankreichs künftiger Präsident Emmanuel Macron in einer ersten Ansprache nach seiner Wahl präsentiert. Macron wurde mit seinen 39 Jahren der jüngste Präsident aller Zeiten. Die Front-National-Politikerin kam demnach am Sonntag auf knapp 35 Prozent. "Es ist entscheidend, dass Europa anders gestaltet wird", sagt Wichmann, die am Sonntagabend bis nachts um 2 Uhr die französischen Medien und die Diskussion im Internet verfolgt hat. Denn die Front-National-Anführerin Le Pen wollte den Euro als normales Zahlungsmittel abschaffen und die Franzosen über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Das hätte die Europäische Union nach dem Brexit der Briten tief ins Mark getroffen. Ihm liegt die Beziehung zu Frankreich also besonders am Herzen. Am Sonntag (14. Mai) läuft die Amtszeit von Präsident François Hollande ab, spätestens dann muss das Amt übergeben werden. Bis Donnerstag will Macrons Organisation Kandidaten für alle 577 Wahlkreise aufstellen, darunter mindestens die Hälfte Frauen und mindestens die Hälfte Kandidaten, die nicht aus der Politik kommen. Er will die Wirtschaft des Landes mit Reformen wettbewerbsfähiger machen, damit das Land sich in der Globalisierung behaupten kann. Dies wird ein wichtiges Signal mit Blick auf die Parlamentswahl am 11. und 18. Juni.

Frankreich ist gespalten und nach der Wahl ist vor der Wahl - für Emmanuel Macron gibt es keine Pause. Mit mehr als 65 Prozent der Stimmen wurde Macron zu Frankeichs neuem Präsidenten gewählt.

2012 hatte auch der damalige konservative Präsident Nicolas Sarkozy seinen sozialistischen Nachfolger Hollande wenige Tage vor der Amtsübergabe eingeladen, der Zeremonie am 8. Mai beizuwohnen.

Macron, ein früherer Wirtschaftsminister und ehemaliger Investmentbanker, war unter anderem mit dem Ziel angetreten, die Unternehmenssteuer von 33 auf 25% zu senken. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,62 Prozent.

Falls Le Pen nun versuchen sollte, die Partei weiter zur Mitte zu öffnen, könnte sie aber zugleich den radikaleren Flügel um ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen vor den Kopf stoßen - ein neuer Familienkrach scheint da nicht ausgeschlossen.

Gegen den neu gewählten französischen Präsidenten Emmanuel Macron sind am Montag mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen.

Obwohl er ein ehemaliger Sozialist ist, stellte sich Macron dieser Wahl als Kandidat seiner eigenen neuen Partei, der Bewegung En Marche! Neben der hohen Wahlenthaltung zeigt auch eine andere Zahl, dass viele Franzosen sich für keinen der beiden Kandidaten erwärmen konnten: Mehr als vier Millionen Wähler gingen in die Wahllokale, ohne Macron oder Le Pen eine Stimme zu geben - ein absoluter Rekordwert in Frankreich. Scheitert Macron hingegen, wird Le Pen weiter punkten. Gut 10,6 Millionen Franzosen votierten für die Kandidatin.

AfD-Chefin Frauke Petry: "Marine Le Pen ist trotz massiver Anfeindungen ein beeindruckendes Wahlergebnis gelungen, zu dem ich herzlich gratulieren möchte, auch wenn es am Ende leider nicht für den Sieg gereicht hat".

Der Wahlkampf in Frankreich war von Skandalen und überraschenden Wendungen geprägt.


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