Assange: Der richtige Krieg fängt gerade erst an

Seit fünf Jahren hat er keinen Fuß vor die Tür der diplomatischen Vertretung gesetzt, die ihm als Zufluchtsort dient.

Der Journalist Julian Assange gilt als maßgeblicher Mitgründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Einer seiner Anwälte sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von "dem Ende eines Alptraums" für den Wikileaks-Gründer. Auf eine Begnadigung kann Assange kaum hoffen. Alle Möglichkeiten, den Fall zu untersuchen, seien "erschöpft". "Ernsthaft? Oh mein Gott", freut sich Assange nach Angaben seines Anwalts. Am Nachmittag zeigte er sich - mit gereckter Faust - auf dem Balkon der Botschaft.

Wie die schwedische Nachrichtenseite The Local berichtet, hält die zuständige Generalstaatsanwältin Marianne Ny es nicht mehr für verhältnismäßig, Untersuchungshaft in Abwesenheit gegen Assange zu verhängen. Auf Twitter schrieb er, er werde seit insgesamt sieben Jahren ohne Anklage festgehalten. Er fuhr fort: "Ich vergebe und vergesse nicht".

Seit fünf Jahren hat Assange keinen Schritt vor das Botschafts-Exil gesetzt, um sich einer Verhaftung zu entziehen. Ein Laufband ist seine einzige Bewegungsmöglichkeit. Long kritisierte, dass die schwedische Staatsanwaltschaft über vier Jahre gebraucht habe, das Angebot anzunehmen, Assange in der Botschaft zu befragen. Ergebnisse wurden dazu nicht veröffentlicht. Den Vorwurf, Wikileaks habe gemeinsame Sache mit russischen Hackern gemacht, wies Assange stets vehement zurück. Die Entscheidung, die Ermittlungen gegen ihn einzustellen, fiel zu einem interessanten Zeitpunkt: Erst einen Tag zuvor wurde Chelsea Manning nach sieben Jahren Haft entlassen - jene Whistleblowerin und Angehörige des US-Militärs, die Julian Assange einen Großteil der Geheimdokumente zukommen ließ, die Wikileaks berühmt machten. Assange zufolge handelte es sich um einvernehmlichen Sex. Die Frauen brachen den ungeschützten Verkehr dennoch nicht ab.

April 2017: Medienberichten zufolge bereiten die USA eine Anklage gegen ihn vor. Viele werfen ihm vor, dass er sich nicht stellte. Er wollte sich den Behörden in Schweden aber nicht stellen und fürchtete zudem, von dort an die USA ausgeliefert zu werden. Die britische Polizei kündigte umgehend an, ihn festzunehmen, sobald er die Botschaft in London verlassen sollte.

Mit dem Entscheid in Stockholm sind für Assange die Probleme mit Polizei und Justiz noch nicht vom Tisch. Selbst wenn es Assange bis ins Exil nach Ecuador schaffen sollte: Mit der Angst, in einer US-Zelle, womöglich sogar im Todestrakt, zu landen, wird er wohl für immer leben müssen. Warum hat die Polizei seine Ausreise aus Schweden nicht verhindert, obwohl sie wusste, wo sich Assange in Schweden aufhielt?


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