Assange feiert Ende der Ermittlungen als "wichtigen Sieg"

Der Grund für seine gute Laune: Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte gestern Morgen bekanntgegeben, dass man alle Ermittlungen im Fall Assange einstelle.

Die Ermittlungen gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange wurden nach sieben Jahren eingestellt. Fünf Jahre davon habe er in der Botschaft verbringen müssen. Zu Beginn seines Auftritts reckte er die Faust. Zwar ist der europäische Haftbefehl wegen Vergewaltigung vom Tisch, aber die Londoner Polizei will ihn, sollte er einen Fuß vor die Tür setzen, wegen des Verstoßes gegen eine Gerichtsauflage trotzdem verhaften.

Wann und ob Assange sein Exil nach der Nachricht vom Freitag verlassen würde, war zunächst unklar. Die Plattform Wikileaks werde ihre Veröffentlichungen fortsetzen.

Die ecuadorianische Botschaft in London wird der Australier allerdings nicht verlassen können, um sich in das südamerikanische Land zu begeben, das ihm politisches Asyl gewährt.

Dass Großbritannien behaupte, ihn festnehmen zu können, bezeichnete er als "haltlos".

Der Konflikt mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten sei noch nicht beendet, erklärte Assange nun. Den schwedischen Anklägern war es lediglich gelungen, einer Einvernahme Assanges durch einen ecuadorianischen Staatsanwalt in London im November beizuwohnen, wobei die schwedische Seite indirekt Fragen stellen konnte. "Wir sehen keine Möglichkeiten, die Ermittlungen weiter voranzubringen", sagte Anklägerin Marianne Ny. Die Schuldfrage sei nicht geklärt, betonte Ny. Er sei festgehalten worden, "während meine Kinder groß geworden sind und mein Name verleumdet wurde". "Während heute ein wichtiger Sieg errungen ist, ist der Weg noch lange nicht zu Ende", sagte Assange. "Es geht nicht um Geld, sondern um Restitution", zitierte das schwedische Radio seinen Anwalt Per E. Samuelson. Er hatte Washington hinter den gegen ihn eingereichten Vergewaltigungsanzeigen von 2010 vermutet. "Derzeit kommentieren wir das nicht", sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Auch die britische Regierung wollte nicht sagen, ob bereits ein Auslieferungsantrag für Assange vorliegt.

Julian Assange sitzt seit fünf Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. London hat vermutlich weniger Skrupel, den Chef der Enthüllungsplattform Wikileaks an seinen engen Verbündeten Washington auszuliefern, wo Assange ein Prozess wegen Hochverrats droht. Nähere Angaben, wer Assange was vorwirft, machten die Ermittler vorerst nicht.

Er habe gegen Kautionsauflagen verstoßen, weil er es 2012 versäumt habe, sich im Zusammenhang mit dem Auslieferungsverfahren den britischen Behörden zu stellen, erklärte Scotland Yard. Ecuador begrüßte die Entscheidung der schwedischen Justiz. "Der europäische Haftbefehl gilt nicht länger", teilte der Minister vor Journalisten in Quito mit. Ob er die Botschaft demnächst verlasse, ließ er offen. Er feierte die Einstellung der Ermittlungen als Sieg. Sollte Assange jedoch vor 2020 in Schweden erscheinen - wenn das Delikt, dessen er beschuldigt wird, verjährt -, werde man den Fall wieder aufnehmen.

Long kritisierte, dass die schwedische Staatsanwaltschaft über vier Jahre gebraucht habe, das Angebot anzunehmen, um Assange in der Botschaft zu befragen.

Assange ist umstritten. Die einen halten ihn für einen Robin Hood des Internets, die anderen für einen Selbstdarsteller, der mit Wikileaks das Leben von Menschen aufs Spiel gesetzt hat. Assange hat die Vorwürfe stets bestritten und behauptet, dass der Verkehr einvernehmlich stattgefunden habe.


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