Bei Gespräch mit Lawrow: Trump soll Comey "Spinner" genannt haben

Der jüngst entlassene FBI-Chef James Comey will in der Affäre um mögliche Russland-Verstrickung des Wahlkampfteams von US-Präsident Donald Trump aussagen.

Comey habe eingewilligt, in einer öffentlichen Anhörung des Geheimdienstausschusses im Senat auszusagen, teilte das Gremium mit. Ein genaues Datum stand zunächst nicht fest. Trump bestieg am Freitagnachmittag (Ortszeit) auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews außerhalb von Washington die Präsidentenmaschine Air Force One. Zuletzt hatte Comey eine Einladung des Justizaussuschusses des Senats noch ausgeschlagen. Zu den Gründen für den Rauswurf des FBI-Direktors machten Trump und sein Umfeld wechselnde und teilweise widersprüchliche Angaben.

Die Ermittlungen werden vom früheren FBI-Direktor Robert Mueller übernommen, der in dieser Woche vom Justizministerium als unabhängiger Sonderermittler eingesetzt wurde. Trump habe demnach zu Lawrow und dem russischen US-Botschafter Kislyak gesagt, Comey sei verrückt gewesen, ein echter Spinner. Später am Tag ist eine Rede des US-Präsidenten zum Islam bei einem US-islamischen Gipfel vorgesehen, an dem Dutzende Staatsoberhäupter aus der Region teilnehmen sollen.

Der Verdacht der Justizbehinderung wurde am Freitag durch einen Medienbericht zu dem Treffen des US-Präsidenten mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und Botschafter Kisljak in der vergangenen Woche geschürt. "Er war verrückt, ein echter Spinner", sagte Trump laut einer Aufzeichnung des Gesprächs, das der Zeitung vorgelesen wurde. Trump selbst sagte in einem Interview in der vergangenen Woche, das Thema Russland habe dabei eine Rolle gespielt.

Einem Bericht der "New York Times" und anderer Medien zufolge soll Trump Comey bei einem Treffen im Februar gebeten haben, die Ermittlungen gegen Ex-US-Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Trump habe weiter erklärt, es habe viel Druck auf ihm wegen Russland gelastet.

Die Ermittler seien nach wie vor stark interessiert an Personen, die Einfluss in Trumps Wahlkampfteam und der Regierung hatten, darunter der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn und Trumps früherer Wahlkampfchef Paul Manafort, hieß es weiter. Zudem sollen die Kontakte zwischen Trumps Team und russischen Vertretern durchleuchtet werden. Sein Sprecher Sean Spicer erklärte nun, eine gründliche Untersuchung werde zum Ergebnis kommen, dass es keine solchen Absprachen gegeben habe. "Ich habe gerade den Chef des FBI gefeuert". Es handle sich um einen hochrangigen Berater, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Er oder sie werde als Person von besonderem Interesse eingestuft, hiess es von der "Post".

Trumps Reise wird von neuen Entwicklungen in der Russland-Affäre um den Präsidenten überschattet. Seit seinem Rauswurf in der vergangenen Woche hat sich Comey nicht öffentlich geäußert. Einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge ist Trumps Zustimmungswert auf 38 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit seinem Amtsantritt gesunken.


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