Dubiose Steuerpraktiken europäischer Konzerne auf Malta

Das Finanzministerium prüft nun, ob Steuervermeider darunter sind. Sollten aber Steuervermeidungspraktiken vorliegen, werde man diese aufdecken. "Die österreichische Staatsbürgerschaft alleine löst noch keine Steuerpflicht aus und das Aufscheinen auf der Liste bedeutet nicht automatisch steuerunredliches Verhalten", so der Sprecher.

Viele Vertreter Maltas sehen hinter den jüngsten Enthüllungen eine Verleumdungskampagne Deutschlands und Luxemburgs im Rahmen ihres Wettbewerbs um die Ansiedlung britischer Firmen nach dem Brexit. In vier davon sei Finanzvorstand Gernot Schieszler, ehemaliger Kronzeuge im Telekom-Prozess, eingetragen.

Von den heimischen Banken ist laut "Kurier" nur die Tiroler Sparkasse Schwaz mit der Sparkasse Malta und einer dazugehörenden Holding auf der Insel vertreten. Auch Ex-Meinl-Banker Peter Weinzierl soll allerdings im Verbindung mit zwei Firmen in der Daten-CD aufscheinen.

Das geht aus tausenden Dokumenten hervor, die das Nachrichtenmagazin "Spiegel" gemeinsam mit seinen zwölf Partnern vom Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC) ausgewertet hat. Diese begannen am Freitag mit der Veröffentlichung ihrer Auswertung, die zwei Wochen in Anspruch nehmen könnten. Dem EIC seien in den vergangenen Monaten zwei Datensätze, die sogenannten "Malta Files", zugespielt worden. Die Papiere erlauben laut "Le Soir" einen tiefen Einblick in das maltesische System von Firmengründungen und legen die Inhaber dortiger Firmen offen. Unter ihnen seien aktuell oder in der Vergangenheit Dax-Konzerne wie BMW, BASF, Deutsche Bank, Puma und Merck. Allein die Lufthansa habe auf Malta 18 Unternehmenstöchter, etwa die Flugzeugwartung, das Flugzeug-Leasing oder die firmeneigene Pensionskasse, heißt es in dem Bericht.

Auf Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen im besten Fall nur mit knapp sechs Prozent versteuern. Dem Spiegel zufolge gibt es jedoch Zweifel daran, dass die Unternehmenstöchter auf Malta wirklich alle operativ tätig sind. Gegenüber dem SPIEGEL erklärten alle Unternehmen, ihre Geschäfte auf Malta seine legal, die maltesischen Töchter dem deutschen Fiskus bekannt. Die Veröffentlichungen ermöglichten einen Blick "hinter die Kulissen eines wenig bekannten Steuerparadieses, das bis zum 30. Juni noch die EU-Ratspräsidentschaft innehat". Viele Unternehmer seien dort ganz legal tätig, schreibt das Blatt.

"Mediapart" berichtet von "grossen Unternehmenschefs" in Frankreich, multinationalen Konzernen wie "Bouygues, Total, BASF und Ikea" sowie von Banken wie "Reyl und JP Morgan".


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