Immer noch kein freier Mann : Assange feiert Ende der Ermittlungen als

Die schwedische Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange nach sieben Jahren ein. Das teilte die Behörde am Freitag in Stockholm mit. In Schweden soll der Australier 2010 eine Frau vergewaltigt haben.

Kann Julian Assange jetzt endlich die ecuadorianische Botschaft in London verlassen? Der Australier lebt seit 2012 im selbstgewählten Exil in der Botschaft, um einer Auslieferung zu entgehen. Denn kurz darauf stellt die Londoner Polizei klar: Assange wird immer noch gesucht - aber wegen eines "viel weniger schweren" Vergehens. Um was es sich dabei handelt, erläuterte Scotland Yard zunächst nicht.

Er ist weiter im Fadenkreuz der britischen Fahnder und fürchtet eine Auslieferung an die USA. Man werde dies weder bestätigen, noch dementieren und sich auch nicht zu Spekulationen äußern, hieß es in einer Mitteilung. Denn mit dem Ende der Ermittlungen in Schweden ist wohl auch der europäische Haftbefehl hinfällig.

Seine Sorge ist, dass er letztlich in die USA überstellt werden könnte, wo ihm nach einem Prozess möglicherweise die Todesstrafe drohen könnte. "Wir haben diese Entscheidung nicht getroffen, weil wir alle Beweise gesehen haben, sondern weil wir keine Möglichkeiten gesehen haben, das Verfahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen". "Wir treffen keine Aussagen zur Schuld", sagte die schwedische Chefanklägerin Marianne Ny in Stockholm vor der Presse.

Über einen möglichen Auslieferungsantrag der US-Regierung ist aber nichts bekannt.

"Der Verdächtige hat das Land verlassen, und angesichts der Fakten und der Umstände in diesem Fall wird nicht erwartet, dass es in absehbarer Zukunft möglich ist, die Entscheidung auszuführen, ihn nach Schweden auszuliefern", erklärte die schwedische Anklage. Nach Medienberichten lebt Assange in seinem Exil auf zwanzig Quadratmetern. Eine spätere Wiederaufnahme der Ermittlungen wird nicht ausgeschlossen.

Assange veröffentlichte kurz nach der Entscheidung der schwedischen Staatsanwaltschaft am Freitag ein altes Foto von sich im Internet, das ihn breit lächelnd zeigt.

Die Anwälte des Australiers hatten immer wieder eine Aufhebung des Haftbefehls beantragt.

Assange hatte stets seine Unschuld beteuert. Weitere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn waren im Sommer 2015 verjährt.

Assanges schwedischer Anwalt feierte die Einstellung der Ermittlungen am Freitag als Sieg. "Wir haben den Fall gewonnen", sagte der Jurist dem schwedischen Rundfunk.

Nach jahrelangem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London ist Wikileaks-Gründer Julian Assange seiner Freiheit einen großen Schritt nähergekommen. "Er ist natürlich froh und erleichtert".

Assange hatte angekündigt, im Falle der Freilassung von Whistleblowerin Chelsea Manning freiwillig in die USA zu gehen, hatte das später aber wieder relativiert. Die amerikanischen Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hackerangriffen zu stehen.


Beliebt

VERBINDEN