Portugal gewinnt ESC in Kiew: Was für eine Überraschung!

Schreiber plädiert für Reformen für 2018. Lena Meyer-Landrut (25) hatte mit ihrem Lied "Satellite" 2010 den Sieg geholt.

NDR-Kommentator Peter Urban erinnerte daran, dass beim deutschen Vorentscheid 69 Prozent der Zuschauer für Levinas Lied "Perfect Life" votiert hatten. Probleme gab es, als 2015 der Rocksänger Andreas Kümmert die Vorauswahl gewann, dann aber überraschend verzichtete.

Salvador Sobral hält die ESC-Trophäe zusammen mit seiner Schwester.

Gewonnen hat in Kiew Portugal mit dem Sänger Salvador Sobral und der von seiner Schwester Luísa geschriebenen Ballade "Amor pelos dois" (Liebe für zwei). Denn nicht nur die Fachjurys der 43 ESC-Teilnehmerländer gaben Sobral zum Schluss die höchste Punktzahl, auch die Televotings der Zuschauer fielen ganz eindeutig aus: Platz 1 mit 758 Punkten für wahre Songkunst - und der erste Grand-Prix-Gewinn für Portugal überhaupt. Mit seinem unaufgeregten Auftritt stach der Portugiese aus der Masse heraus: kein Schnickschnack, keine Pyro-Show, kein Glitzer-Kostüm - stattdessen ruhige Töne, ein leises Instrumentalstück und ganz viel Gefühl. Levina wurde so der letzte Platz erspart, was später durch drei weitere Punkte beim Telefonvoting noch zementiert wurde. Es sei trotzdem eine "wundervolle Erfahrung" gewesen, sagte sie in der ARD.

Position zwei erreichte mit ebenfalls starken 615 Punkten der erst 17-jährige Kristian Kostov, der für Bulgarien mit der modernen Electropop-Nummer "Beautiful Mess" ins Rennen ging. Dass Australien nun zum dritten Mal beim Eurovision Song Contest mitmachen durfte, gehört zu den Kuriositäten des Wettbewerbs. Und auch die beiden anderen 17-Jährigen des heurigen Bewerbs stiegen in die Top Ten auf: Die mit betörend androgyner Stimme ausgestattete Belgierin Blanche kam mit der Elektronummer "City Lights" auf Platz 4, während der Australier Isaiah ("Don't Come Easy") Rang 9 belegte. Andererseits, weil man sie auf der großen Bühne ziemlich alleine ließ.

Dieser Lapsus überrascht letztlich, waren die Sicherheitsvorkehrungen in der vom Konflikt mir Russland an seiner Ostgrenze gebeutelten Ukraine doch äußert streng.

Zugleich sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Abend kurzfristig seinen Finalbesuch ab, nachdem es in der Ostukraine zu einem blutigen Anschlag gekommen war.

Vielleicht müsste man sich sogar eingestehen, dass die deutschen Auftritte beim ESC in den vergangenen Jahren die Herzen gar nicht erreichen konnten, einfach deshalb, weil sie selber völlig herzlos waren.


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