Vorwurf des Geheimnisverrats: Putin will Notizen zu Gespräch zwischen Trump

Heikler Besuch: US-Präsident Donald Trump im heiteren Gespräch mit Russlands Außenminister Lawrow (l.) und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak.

US-Medien berichten, Trump habe bei dem Gespräch in der vergangenen Woche in Washington streng vertrauliche Geheimdienstinformationen eines Nahost-Staates über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an Lawrow weitergegeben. Die Informationen sollen vom israelischen Geheimdienst gekommen sein. Putin sagte zu der Kontroverse in den USA, dort entwickele sich "politische Schizophrenie".

Flynn musste im Februar den Hut nehmen, weil er die Unwahrheit über Telefonate mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak gesagt hatte, der bei dem nun umstrittenen Gespräch Trump-Lawrow ebenfalls anwesend war.

Trump soll unter anderem den Namen der syrischen Stadt genannt haben, in der der Geheimdienst die Informationen gewonnen hatte.

Washington - Die glaubhafteste Begründung, wieso Donald Trump nicht absichtlich Geheimnisse an Russland verraten haben kann, schreibt die New York Times am Mittwoch, trauen sich seine Mitarbeiter nicht öffentlich zu äußern: Der Präsident kennt schlicht keine echten Geheimnisse, die er preisgeben könnte. Sie trifft den Präsidenten zu einer Zeit, in der er wegen des Streits um die Entlassung des Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, unter Druck ist. Entsprechend müssten die Demokraten noch viele Abgeordnete aus Trumps eigener Partei auf ihre Seite ziehen, um ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten.

Trump selbst bestritt jegliches Fehlverhalten. Sollten sich die Berichte als wahr erweisen, hätte Trump also nicht nur das Vertrauen eines engen Verbündeten aufs Spiel gesetzt - sondern auch Israel der Gefahr ausgesetzt, dass deren geheimdienstliche Erkenntnisse über den Umweg Russland Israels Erzfeind Iran erreichen. Es handele sich um keine akkurate Wiedergabe einer Unterredung zwischen Trump und Comey. "Die Beziehungen, die wir zueinander unterhalten, werden unschlagbar sein", sagte Trump. "Er war verrückt, ein richtiger Spinner", soll Trump gesagt haben. Das Weiße Haus wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Die Informationen stammten demnach von dem Geheimdienst eines mit den USA befreundeten Landes, der sie aus dem inneren Zirkel des IS haben soll.

CNN zufolge habe der russische Präsident zunächst davon gesprochen, eine "Aufnahme" des Treffens zu besitzen.

Dieses unorthodoxe Vorgehen sorgte nicht nur unter Journalisten im Weissen Haus und Sicherheitsexperten in der Hauptstadt für Aufregung; auch im Senat und im Repräsentantenhaus schüttelten hochrangige Parlamentarier den Kopf.

In einer ersten Reaktion gab sich Trump zuversichtlich. Die Republikaner stellen die Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Der Präsident habe wiederholt erklärt, dass Flynn ein "anständiger Mann" sei, sagte ein Regierungsvertreter; doch habe er niemals Comey darum gebeten, "irgendwelche Ermittlungen, eingeschlossen die Ermittlungen gegen General Flynn, einzustellen".

Trumps Präsidentschaft wurde von Anbeginn vom Vorwurf überschattet, Russland habe die US-Wahl 2016 beeinflusst und sein Wahlkampfteam habe dazu mit Moskau Absprachen getroffen.


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