GB-WAHL/ROUNDUP/Niederlage für May: Tories verlieren laut BBC Regierungsmehrheit

Wahl in Großbritannien Theresa May hält trotz der Wahlschlappe an ihrem Machtanspruch fest.

London - Bei der britischen Unterhauswahl haben die Konservativen um Regierungschefin Theresa May überraschend ihre absolute Mehrheit verloren. Zehn Tage vor dem Beginn der Brexit-Verhandlungen zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Die konservative Partei werde voraussichtlich als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen, sagte die 60-Jährige, die extrem blass wirkte.

Bei einem nächtlichem Auftritt in ihrem Wahlkreis erklärte May, die Konservativen würden "unabhängig vom Ergebnis alles dafür tun, die notwendige Stabilität zu gewährleisten". Labour kommt in den Hochrechnungen auf 265 Sitze, die Schottische Nationalpartei (SNP) auf 35 und die Liberaldemokraten können mit 13 Mandaten rechnen. Die Wahllokale haben um 23 Uhr MESZ geschlossen.

Weder die Konservativen noch die oppositionelle Labour-Partei hatten am Freitagmorgen eine Chance, mehr als die Hälfte der 650 Wahlkreise für sich zu gewinnen. Das amtliche Endergebnis wird erst am Freitagnachmittag veröffentlicht.

Auch Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte am Morgen angekündigt, er sei bereit, "Verhandlungen im Namen des Landes zu führen". Ihre konservativen Tories wurden bei der Parlamentswahl am Donnerstag zwar stärkste Kraft, können aber nicht mehr alleine regieren. Die konservative Regierungschefin müsse abtreten und Platz machen für eine "wirklich repräsentative Regierung", fügte Corbyn hinzu, der im Wahlkreis Islington North sein Parlamentsmandat verteidigte. Sie wollte durch die vorgezogene Wahl die absolute Mehrheit der Konservativen im Unterhaus ausbauen und sich damit Rückendeckung für ihre Linie bei den Austrittsverhandlungen mit der EU holen. Zeitweise wurde in der Nacht sogar ihr Rücktritt nicht mehr ausgeschlossen. Labour holte damals 232 Sitze.

Wieder ein politisches Erdbeben in Großbritannien: Das Wahlergebnis ist eine Schlappe für die.

Ex-Finanzminister George Osborne, der unter May 2016 seinen Posten verloren hatte, stellte als einer der ersten Mays Zukunft in Frage. "Wenn sie ein schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren hat und fast keine Regierung bilden kann, dann bezweifle ich, dass sie auf lange Sicht Parteichefin der Konservativen bleiben wird".

Der Chef der EU-feindlichen UK Independence Party (Ukip), Paul Nuttall, schaffte den Einzug ins Parlament nicht.

Auf Großbritannien könnten komplizierte Koalitionsverhandlungen zukommen. "Es gibt keine Koalition, es gibt keine Deals", betonte die außenpolitische Sprecherin der Labour-Fraktion, Emily Thornberry, in der Nacht zum Freitag im Sender BBC. Als Koalitionspartner stünden jedoch nur die Liberaldemokraten zur Verfügung.

Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen Protestanten der DUP (Democratic Unionist Party) an, hieß es in britischen Medien. "Natürlich werden wir mit ihnen (den Konservativen) über ihren Wunsch sprechen, eine Regierung zu bilden", sagte DUP-Politiker Jeffrey Donaldson der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. "Wir haben weniger als zwei Jahre Zeit, um den Austritt zu einem halbwegs guten Abschluss zu bringen". May patzte aber im Wahlkampf: Sie trat in der Öffentlichkeit hölzern auf, löste einen Streit um geplante finanzielle Einschnitte bei Rentnern aus und verweigerte gemeinsame Fernsehduelle mit Corbyn. In ihrer Amtszeit als Innenministerin waren Stellen bei der Polizei gekürzt worden. Corbyn versprach hingegen 10 000 zusätzliche Polizisten. Ihr Ziel war es, sich ein stärkeres Mandat für die eigentlich am 19. Juni beginnenden Brexit-Verhandlungen zu holen.

Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2015 hatten die Tories mit 330 Sitzen die absolute Mehrheit errungen. Schottlands Nationalpartei SNP verliert demnach deutlich. Die Liberaldemokraten, die als einzige landesweite Partei weiterhin für einen Verbleib in der EU kämpfen, hatten acht Sitze.

Großbritannien hat ein reines Mehrheitswahlrecht.


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