May ohne absolute Mehrheit - Erste Forderungen nach Rücktritt

Die Konservativen setzten auf einen harten Schnitt mit der Europäischen Union (EU), benötigten dafür aber eine klare Mehrheit im Parlament und darauf basierend ein klares Verhandlungsmandat.

Zwei Wahlhelfer sitzen in Oxford in einem Waschsalon, in dem ein Wahllokal eingerichtet wurde. Damit verloren die Tories zwölf Sitze, Labour gewann 29 hinzu. Die in Londoner Regierungskreisen gut vernetzte BBC-Journalistin Laura Kuenssberg geht davon aus, dass May bleibt: "Sie wird bleiben und ihre Meinung nicht ändern". In den Morgenstunden wird klar: Theresa Mays Konservative haben ihre absolute Mehrheit in der britischen Parlament verloren. Sie werde noch am Mittag bei Königin Elizabeth II. um die Erlaubnis dafür bitten, teilte ein Regierungssprecher in London mit. Weder die Konservativen noch die oppositionelle Labour-Partei hatten am Freitagmorgen eine Chance, mehr als die Hälfte der 650 Wahlkreise für sich zu gewinnen.

Sollten die Tories ihre absolute Mehrheit im Unterhaus tatsächlich einbüssen, könnten sie versuchen, eine Koalition zu bilden oder eine Minderheitsregierung zu stellen.

Britischen Medienberichten zufolge strebt May eine von der DUP geduldete Minderheitsregierung an.

Das ändert sich, als Labour unter der Führung von Ed Miliband 2015 krachend gegen die Konservativen verliert: Corbyn tritt für den Posten des Parteichefs an. Diese Regierung werde "Sicherheit" geben und Grossbritannien "in dieser für unser Land schwierigen Zeit" vorwärts bringen. May erklärte hingegen in einer ersten Reaktion, Großbritannien brauche "eine Phase der Stabilität". Die Torys wollen gerne regieren, brauchen aber einen Koalitionspartner.

Eines scheint sicher: May, die sich durch die Neuwahlen Rückhalt für die Brexit-Verhandlungen sichern wollte, hat genau das Gegenteil erreicht.

Wieder ein politisches Erdbeben in Großbritannien: Das Wahlergebnis ist eine Schlappe für die. Dabei zeigen die meisten Umfragen, dass die Briten eben keinen harten Brexit wollen. Wichtiger ist die Fehleinschätzung, man könne Wähler aus der Arbeiterschaft und unter kleinen Angestellten dauerhaft von der Labour Party entfremden, wenn man den Brexit verbindet mit einer Politik der sozialen Marktwirtschaft, mit einer stärkeren Hinwendung zu den Nöten von Geringverdienern.

Bei einem nächtlichem Auftritt in ihrem Wahlkreis erklärte May, die Konservativen würden "unabhängig vom Ergebnis alles dafür tun, die notwendige Stabilität zu gewährleisten". Und die haben mit ihrer Stimmabgabe deutlich gemacht, dass über den EU-Austritt wohl noch einmal nachgedacht werden muss. Denn in England erzielte Labour unter Jeremy Corbyn größere Erfolge, als die Partei selbst es erwartet hatte. Die Wirtschaft war ebenfalls kaum Thema der Konservativen.

May schließt Rücktritt aus Der Druck auf die Premierministerin wächst. Auch grundsätzlich unterschiedliche Haltungen der Parteien zum Brexit machen eine Zusammenarbeit schwer. Die DUP ist die größte protestantische Partei Nordirlands. Schuld daran war nach Ansicht vieler Beobachter nicht nur Mays eigene, defensive Kampagne, sondern vor allem die zunehmende Popularität ihres Herausforderers Corbyn. Eigentlich stünden bis 2022 keine Neuwahlen mehr an. Corbyn versprach in seinem Wahlprogramm 10 000 Polizisten mehr.

Brüssel - Der Wahlausgang in Großbritannien wird nach Ansicht des EU-Abgeordneten Elmar Brok (CDU) zu Verzögerungen bei den Austrittsverhandlungen zwischen London und Brüssel führen. Bislang hatten sie 330 Sitze gehalten. 21 Sitze verlor die Scottish National Party. Einzig die Liberaldemokraten wollen den Brexit noch verhindern, dies gilt jedoch als aussichtslos.

Durch das Mehrheitswahlrecht sind Koalitionen in Großbritannien eher selten.


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