Documenta stellt Flucht und Unsicherheit ins Zentrum

Erst am Ende des Marathons kommt der künstlerische Leiter zu Wort, der polnische Kurator Adam Szymczyk.

Steinmeier lobte, dass es mit Athen erstmals neben Kassel einen zweiten documenta-Standort gibt: "Die Entscheidung war nicht nur mutig, sondern auch richtig". Szymczyk ist mit der Schau bewusst dorthin gegangen, so wie er es in Athen getan hat: Dahin, wo es wehtut - thematisch wie geografisch. Bis zum Ausstellungsende am 17. September in Kassel erwartet die documenta eine Million Gäste. Lydia Koniordou, die griechische Kulturministerin, dankte dafür, dass auch Athen in Zeiten der griechischen Krise Schauplatz der documenta ist.

Ähnlich symbolisch aufgeladen arbeitet auch das "Parthenon der Bücher" der Argentinierin Marta Minujin, das auf dem Friedrichsplatz, dem Vorplatz des Fridericianums, zum Signum dieser Documenta werden dürfte.

In Kassel erweist sich die Documenta auf den ersten Blick als interessanter, substanzieller, durchdachter.

Der Kurator Paul B. Preciado sagte in Anspielung auf George Orwells "Farm der Tiere": "Diese Ausstellung könnte beschrieben werden als Rebellion auf dem Museumsbauernhof".

"Inspirierend, verstörend, aufrüttelnd: All diese Eindrücke hinterlässt die documenta bei ihren Besuchern - so sind sie Spiegel all derjenigen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, vor denen die Welt steht", sagte die Ministerin. Auch das Rednerpodium aus Holzresten und einer alten Windjacke stand als Symbol für Flucht und Vertreibung. Im Fridericianum ziehen für die Dauer der documenta Werke aus der Sammlung des Athener Museums für zeitgenössische Kunst ein, das neu gebaut wurde, aber aus Geldmangel nicht öffnen kann.

Bilder und Skulpturen sieht man weniger, dafür umso mehr Performances und Aktionskunst auf Straßen und in Gebäuden sowie Filme, Installationen und Dokumentarmaterial.

Die Teilnehmerliste umfasst Namen aus vielen europäischen und noch mehr außereuropäischen Ländern.

Seit gestern läuft in Kassel mit der Pressekonferenz und der dreitägigen Vorbesichtigung für Fachbesucher und Journalisten der Countdown. In Kassel eröffnet die documenta offiziell am Samstag. Dort wurde 100 Tage lang diskutiert. Der Auftakt in Athen enttäuschte, er fiel kaum anders aus als Biennalen und Manifesta-Ausstellungen, wie sie überall üblich sind.


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