May will Queen um Erlaubnis für Regierungsbildung bitten

Eine Regierungsbildung mit der Labour-Partei schloss Dodds hingegen aus. May hatte die Neuwahl im April ausgerufen - mit der Absicht, ihre Regierungsmehrheit zu vergrößern.

Nachdem May die absolute Mehrheit verloren hat, braucht sie jedoch einen Koalitionspartner - und zwar die Democratic Unionist Party aus Nordirland (DUP). "Ich denke, es wird sicher Kontakt über das Wochenende geben". Die Konservativen und die DUP würden dafür zusammenarbeiten und dabei auf der "starken Beziehung zueinander, die über die Jahre gewachsen" sei aufbauen. Sie wollte durch die vorgezogene Wahl die absolute Mehrheit der Konservativen im Unterhaus ausbauen und sich damit Rückendeckung für ihre Linie bei den Austrittsverhandlungen mit der EU holen.

Nach der Auszählung fast aller Stimmen konnte keine der beiden großen Parteien eine Mehrheit der 650 Wahlkreise für sich gewinnen.

Die Konservativen kamen nach den bis Freitagnachmittag vorliegenden Auszählungsergebnissen auf 318 Sitze, Labour auf 261. Sie könnte sich mit den schottischen Nationalisten und den Liberaldemokraten zusammentun. Und Koalitionen mit anderen Parteien lehnen sie ab. Bis Freitagmittag fehlte nur noch ein Wahlkreis: Kensington im Zentrum Londons war der letzte, der sein Ergebnis noch nicht vorgelegt hatte. In einem Gratulationsbrief an May dringt er auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Verhandlungen. Der Chef der Labour Party, Jeremy Corbyn, will eine Minderheitsregierung bilden. Sie habe "Stimmen, Unterstützung und Vertrauen verloren".

"Wir sind bereit, diesem Land zu dienen", hatte Corbyn verlauten lassen. Er brachte eine eigene Minderheitsregierung ins Spiel. "Der harte Brexit wurde abgewählt".

Der komplizierte Wahlausgang ist auch wichtig für die anstehenden Brexit-Gespräche zwischen London und Brüssel. Seit März läuft eine zweijährige Frist bis zum EU-Austritt Großbritanniens 2019. Die Folgen für die Wirtschaft und die Bürger wären in diesem Fall kaum absehbar. Bei der EU wächst derweil die Ungeduld. Dem Land steht damit kurz vor Beginn der Verhandlungen über den EU-Austritt eine komplizierte Regierungsbildung bevor.

EU-Ratspräsident Donald Tusk warnte vor einem Scheitern der Brexit-Verhandlungen. Juncker zeigte sich nicht bereit, über eine Fristverlängerung zu reden. Oder blüht der Handel in Großbritannien ohne die EU auf? May will sich an den Zeitplan für den Brexit halten. Das hat sie nun getan, wie unter anderen Spiegel-Online berichtete.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete den Ausgang der Wahl als Signal gegen eine harte Konfrontation mit der EU. "Ich habe soeben Königin Elizabeth II. getroffen und werde nun eine Regierung bilden", sagte May am Freitag in London. Doch ersten Prognosen zufolge könnte es bei der Parlamentswahl keine eindeutige Mehrheitspartei geben - ein sogenanntes "hung parliament".

Die europäischen Börsen reagierten am Freitag zunächst mit leichten Gewinnen auf die Schlappe für die britische Premierministerin. Allerdings büßten sie einen Teil der Aufschläge danach wieder ein. Im Tagesverlauf erholte sich die britische Währung wieder etwas und wurde am Nachmittag mit 1,1385 Euro notiert. Das britische Pfund geriet stark unter Druck.


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