Schlechte Karten für Air Berlin

Viele Optionen hat Air Berlin nicht mehr. Nach Angaben der Ministeriumssprecherin muss Air Berlin nun alle Unterlagen einreichen, dann beginne das Verfahren. Die Voranfrage wird gemeinsam mit den Ländern geprüft, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berline. Folgen: Autorin: Henrike Roßbach, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen, inwieweit das Land Berlin eine zukunftsorientierte Strategie der Airline unterstützen kann".

Air Berlin flog allein 2016 einen weiteren Rekordverlust von fast 800 Millionen Euro ein, hat einen Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro aufgehäuft und das Eigenkaital längst aufgebraucht. Nachdem der damals zweitgrößte Aktionär Rewe einige Jahre später seine Anteile verkaufte ging das Unternehmen letztendlich in den Besitz von Air Berlin über. Zentral war dabei die Neuausrichtung das Touristikgeschäftes, das Air Berlin für 300 Millionen Euro auf seine Tochtergesellschaft Nikki in Wien übertragen hat. Zuvor waren Verhandlungen mit Tui über einen gemeinsamen Ferienflieger überraschend gescheitert.

Was bleibt? Man sei offen für Partnerschaften, betont Air Berlin Chef Thomas Winkelmann immer wieder. "Die Lufthansa-Tochter Eurowings könnte so innerhalb kurzer Zeit mit einer Vielzahl neuer Slots, Maschinen und Besatzungen gegen die Konkurrenz der Billig-Airlines antreten".

Die finanziell stark angeschlagene Air Berlin ist wohl schon seit Langem auf ein drohendes Ende der Unterstützung vom Golf vorbereitet: Wie airliners.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, pochte Großaktionär Etihad bereits bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Lufthansa-Chef Carsten Spohr Ende April darauf, dass bis September Zugeständnisse von der Bundesregierung für eine Air-Berlin-Unterstützung gemacht werden sollen. Der Manager erklärte diese Woche, Air Berlin müsse 2017 einen Partner finden.

Für Ärger könnten noch die 14 ebenfalls für den Touristikflieger vorgesehenen Tuifly-Jets sorgen, die samt Crews langfristig an die Air Berlin vermietet sind, dem Vernehmen nach zu sehr hohen Leasingraten. Er forderte zudem, dass der arabische Großaktionär Air Berlins Schulden von rund 1,2 Milliarden Euro komplett übernehmen müsse.

Welche Rolle spielt die Lufthansa? In Verhandlungskreisen hieß es allerdings auch, dass selbst die positive Bestätigung dieser Anfrage kein Vorentscheid über die spätere Erteilung einer Bürgschaft sei.

Bis zum Abschluss des Niki-Verkaufs an Etihad soll Niki als separate Geschäftseinheit der Air Berlin Gruppe operieren und sich auf touristische Kurz- und Mittelstreckenziele konzentrieren. "Air Berlin muss eine verbindliche Garantieerklärung darüber abgeben, dass der Flugplan eingehalten wird".

ZDF-Börsen-Expertin Valerie Haller sagte, auf den Flugbetrieb solle das Ganze keine Auswirkungen haben - so zumindest der aktuelle Stand. In dem Konzern glaubt man jedoch, dass die Gespräche wieder an Fahrt gewinnen werden, sobald Etihad sein Management für die Führung der europäischen Engagements geordnet hat.


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