Frühe Prognose: Macrons Partei liegt bei Wahl in Frankreich vorne

Ersten Hochrechnungen zufolge könnte die Partei zwischen 390 und 440 der insgesamt 577 Sitze gewinnen. Im neuen Parlament werden viele neue Abgeordnete sitzen. Nach Hochrechnungen vom Sonntag kommt seine Partei "La République en Marche!" auf gut 32 Prozent und wurde mit Abstand stärkste Kraft. Für die beiden traditionellen französischen Regierungsparteien ist das Ergebnis eine weitere herbe Schlappe.

Oppositionsparteien wie die konservativen Republikaner oder die rechtsextreme Front National (FN) von Marine Le Pen spielen bei dem Durchmarsch-Szenario für das Regierungslager nur noch Nebenrollen. Der große Anteil der Nichtwähler mag angesichts einer gewissen Lethargie nach einem monatelangen Wahlmarathon mit den Vorwahlen in mehreren Parteien und der anschließenden Präsidentenkür nachvollziehbar sein, die naturgemäß eine viel größere Bedeutung hat als die Abstimmung über die Nationalversammlung.

Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Bewegung La République en Marche tritt erstmals zur Wahl der Nationalversammlung an.

Paris Die Wahl zur französischen Nationalversammlung ist am Sonntag relativ schleppend angelaufen. Damit hätte Macron einen soliden Rückhalt in der ersten Parlamentskammer für sein Reformprogramm. Endgültige Ergebnisse werden erst nach dem zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag (18. Juni) vorliegen. Je niedriger die Beteiligung im ersten Durchgang, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass in vielen Wahlbezirken eine Stichwahl abgehalten werden muss. Im ersten Wahlgang gaben bis zum Sonntagmittag 19,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie das Innenministerium bekanntgab. Das ist deutlich weniger als bei der schon sehr schwachen Wahl vor fünf Jahren, als im gleichen Zeitraum mehr als 48 Prozent ins Wahllokal gingen.

Nach Angaben des Rundfunksenders RTL lag die Wahlbeteiligung bei 49,5 Prozent. Das wäre der niedrigste Stand seit Gründung der Fünften Republik vor knapp 60 Jahren. Die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung mit ihren 577 Abgeordneten liegt bei 289 Mandaten. Die Parlamentswahl wäre damit die Fortsetzung einer beispiellosen politischen Umwälzung in Frankreich.

Fast jeder dritte Wähler stimmte für das Macron-Lager - damit ist das vorhergesagte Debakel für die Alt-Parteien perfekt. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hatten Sozialisten und bürgerliche Rechte die Geschicke des Landes bestimmt. "Wenn Macron wie vorhergesagt in der zweiten Runde gewinnt, gibt es im Parlament keinen Raum für eine demokratische Debatte".

Das System macht es vor allem für kleinere Parteien schwierig, Abgeordnetenmandate zu erringen. Wenn einer dieser Kandidaten in seinem Wahlkreis die absolute Mehrheit und dabei mindestens 25 Prozent der Stimmen erhalten kann, bekommt er ein Direktmandat für das Parlament. Das schaffen nur die wenigsten. Das wäre eine deutliche absolute Mehrheit, die ihm helfen würde, umstrittene Reformvorhaben wie etwa eine Arbeitsrechtsnovelle durchzusetzen.

Die Parlamentswahl findet unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Am vergangenen Dienstag hatte ein Ordnungshüter vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame nach einem Hammerangriff auf einen Terrorverdächtigen geschossen.

Den Sozialisten sagen die Institute 30 bis 40 Sitze voraus.


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