Macron- Lager gewann erste Runde der Frankreich- Wahl

Ein Dämpfer ist allerdings die historisch schwache Wahlbeteiligung.

Das Ergebnis der ersten Runde der Parlamentswahl ist gleich mehrfach historisch: Zwar wird erst in einer Woche feststehen, wie viele Sitze die Präsidentenpartei "La République en Marche!" in der Nationalversammlung tatsächlich bekommt.

Frankreichs neuer Staatschef Emmanuel Macron kann aller Voraussicht nach auf eine breite Regierungsmehrheit für seine Reformagenda bauen.

Die Franzosen gehorchen dessen Wunsch, ihm "eine eigene Mehrheit" zu schenken.

Nach Angaben des Rundfunksenders RTL lag die Wahlbeteiligung bei 49,5 Prozent. Bei der letzten Wahl vor fünf Jahren hatten bis zu diesem Zeitpunkt bereits 48,3 Prozent gewählt, in 2007 waren es 49,3 Prozent, in 2002 sogar 50,5 Prozent und in 1997 hatten um 17 Uhr schon ganze 54,6 Prozent gewählt. "Natürlich wird sich auch Macron bewusst sein, dass übersteigerte Erwartungen zu Beginn einer Amtszeit schnell auch in Enttäuschungen münden können - das zeigte das Beispiel von Tony Blair und auch das von Barack Obama, die beide anfangs als 'Messias' gefeiert wurden und später vor allem in der Außenpolitik auf dem harten Boden der Tatsachen landeten".

Und das überwiegend mit Kandidaten, die oft unerfahrene Politik-Novizen sind, aber für Erneuerung stehen. Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Front National (FN), Marine Le Pen, wählte im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, wo sie auf ein Abgeordnetenmandat hofft.

Auch die Linkspartei La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon schnitt mit rund 11 Prozent schlechter ab als erhofft. Im bisherigen Parlament hatte sie mit 277 Abgeordneten die Mehrheit. Die Stimmen für die jeweils unterlegenen Kandidaten werden somit bei der Sitzverteilung im Parlament nicht berücksichtigt. Das wird sicher noch Ärger geben - vor allem mit etlichen osteuropäischen Ländern, die ein niedriges Lohnniveau haben und davon anderswo in Europa profitieren. Die absolute Mehrheit liegt bei 289 Mandaten.

Ebenso nachhaltig versprechen die Folgen zu sein, wenn LREM in wenigen Tagen über eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung verfügen wird. Hier wird dann nach relativer Mehrheit gewählt. Die Senatoren reden bei der Verabschiedung von Gesetzen mit - allerdings sitzt die Nationalversammlung letztlich am längeren Hebel.

Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Bewegung La République en Marche tritt erstmals zur Wahl der Nationalversammlung an. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass der zweite Wahlgang am kommenden Sonntag noch ausstehe.

Normalerweise bekommt die Partei, aus der der Präsident kommt, auch die Mehrheit. Nach dem klaren Sieg des Lagers von Macron warnte er vor einem Parlament ohne echte Opposition. "Als Neuling in der Politik ist Emmanuel Macron dabei, den spektakulärsten Grand-Slam der Fünften Republik zu gewinnen", kommentierte die Tageszeitung "Libération".

Die Sitzverteilung in der Nationalversammlung steht erst nach der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag fest.

Der französische Präsident Emanuel Macron begrüßt seine Anhänger. Einer der ersten Gratulanten war jedoch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Ergebnis als starkes Votum für Reformen. Das kann für den neuen Präsidenten zum großen Problem werden, denn der Weg zu einem neuen Frankreich wird lang und schwer.

Die Parlamentswahl ist die Fortsetzung der politischen Umwälzung in Frankreich. Es wird höchste Zeit, auch in der deutsch-französischen Beziehung alte Denkmuster zu überwinden. Dies gelte auch für Forderungen Macrons, die in Berlin auf Widerstand stießen, etwa nach einem Haushalt für die Eurozone.


Beliebt

VERBINDEN