NDR distanziert sich von Buchempfehlung

Hamburg. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) setzt seine Zusammenarbeit mit der Jury "Sachbücher des Monats" aus.

Nach erheblichem Wirbel um das Buch "Finis Germania" des Historikers Rolf Peter Sieferle ist der Juror, der das Buch für die Liste mit den "Sachbüchern des Monats" empfohlen hatte, zurückgetreten. Erschienen ist das Buch in einem Verlag, der der extremen Rechten zugerechnet wird. Dem Gremium gehören Wissenschaftler sowie Autoren und Redakteure großer Medien in Deutschland an, darunter "Zeit", "Spiegel", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Deutschlandfunk". Nach Einschätzung von NDR Kultur und anderer Kritiker äußert Rolf Peter Sieferle in seinem Buch rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich NDR Kultur entschieden distanziert. "Die Empfehlungen der Jury ‚Sachbücher des Monats' waren für unsere Hörerinnen und Hörer stets von hohem Interesse und Wert".

Barbara Mirow, Leiterin von NDR Kultur, betont, dass sie das Votum der Jury für eine gravierende Fehlentscheidung hält - die sie bedauert. Juryvorsitzende ist der frühere NDR Kultur-Redakteur Andreas Wang, der seit 2010 im Ruhestand ist. Bis zur vollständigen Aufklärung der Frage, wie es zu der für uns nicht akzeptablen Empfehlung der Jury kommen konnte, setzen wir die Zusammenarbeit mit der Jury aus. Zur Begründung hieß es, in der Juni-Ausgabe wurde dieser Titel empfohlen, der für NDR Kultur nicht tragbar sei.

"Mit der Empfehlung des Buches 'Finis Germania' von Rolf Peter Sieferle habe ich bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen".

Wang sagte gegenüber der "SZ" bereits, dass die Jury "ganz und gar nicht glücklich" über die Platzierung des Buches sei, die durch "Akkumulation von Punkten" eines Jurymitglieds zustande gekommen sei. Wir akzeptieren jedoch keine Instrumentalisierung dieser Liste durch gezielte Platzierung. Über die "Süddeutsche" ruft er den Juror oder die Jurorin, von dem die Platzierung stammt, zum Rücktritt auf. Auch das Verfahren soll nun überarbeitet werden, damit "keine Platzierung eines einzelnen Mitglieds der Jury möglich ist", so Wang.


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