Bericht: Macron-Lager bei französischer Parlamentswahl vorne

Weitere Informationen und Reaktionen zum ersten Durchgang der Parlamentswahl in Frankreich lesen Sie hier im News-Blog. Wegen des Mehrheitswahlrechts mit zwei Wahlrunden dürfte daraus in einer Woche eine absolute Mehrheit werden: Prognosen zufolge kann Macrons Bündnis mit 400 bis 455 der insgesamt 577 Abgeordnetenmandate rechnen.

Der Sprecher der Bundesregierung in Berlin, Steffen Seibert, twitterte, Merkel sehe in dem Wahlergebnis ein "starkes Votum für Reformen". Finanzstaatssekretär Jens Spahn sagte, es scheine "sehr stabile Verhältnisse in Paris zu geben".

Jean-Christophe Cambadélis, Chef der Sozialistischen Partei, sprach am Sonntag von "beispiellosen Verlusten der gesamten Linken, und insbesondere der Sozialistischen Partei".

Macron hat seinen Bürgern und den europäischen Partnern versprochen, Frankreich wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen. "Le Figaro" kommentierte gestern, Macron habe "das alte System zerstört, aber die Franzosen noch nicht für sich gewonnen". Er bekräftigte aber zugleich, dass die Regierung ihre geplanten Reformen umsetzen wolle. Von denen ist die größte und risikoreichste der nötige Umbau des Arbeitsmarkts. Die Linkspartei "La France Insoumise" des in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ausgeschiedenen Jena-Luc Mélenchon erhielt elf Prozent, die ökologischen Parteien kamen auf 4,3 Prozent.

Damit können sie im zweiten Wahlgang am kommenden Wochenende laut Meinungsforschern auf mindestens 390 der 577 Sitze in der Nationalversammlung hoffen. Derart deutlich war der Rückhalt in der Kammer für einen Präsidenten der V. Republik noch selten. Bislang war sie nicht in der Nationalversammlung vertreten.

Dass Le Pen trotz der fast drei Millionen Stimmen für Kandidaten des FN mit einer einstelligen Zahl an Sitzen rechnen muss, soweit Schätzungen recht behalten, zeigt, wie irreführend diese Prozentzahlen sein können, wenn es um die tatsächlichen Machtverhältnisse im Parlament geht. Wir hätten uns für unsere französischen Genossinnen und Genossen ein besseres Ergebnis gewünscht.

Paris/BrüsselDas Lager des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat die erste Runde der Parlamentswahl nach Auszählung aller Stimmen klar gewonnen. Macron hatte seine Partei La République en Marche erst vor gut einem Jahr gegründet. Widerstand wird vor allem bei seinen Plänen erwartet, die zum Beispiel Unternehmen ermöglichen sollen flexible Arbeitszeiten auszuhandeln.

Der "Tagesspiegel" aus Berlin schreibt: "In Frankreich ist ein Veränderungsprozess in Gang gekommen, der Frankreich und Europa nur guttun kann". Anleihen aus Frankreich waren daher gefragt. Macron hat zahlreiche politische Quereinsteiger als Kandidaten aufgestellt.

Die heutige erste Runde der Parlamentswahl in Frankreich führte zu einem "Triumph für Macron - Debakel für etablierte Parteien". Francois Baroin, der den Wahlkampf der Konservativen anführte, sagte, die politische Macht sollte nicht in der Hand einer einzigen Partei konzentriert sein.

Die Wahlbeteiligung fiel allerdings auf ein historisches Tief. Das zeige, wie zerrissen die Gesellschaft weiterhin sei. Ihre Anhänger müssten daher unbedingt an die Urnen treten.

„Experiment eines ganzen Landes“ und „absolutistische Versuchung“: Die Pressestimmen zum Macron-Sieg in der ersten Runde der französischen Parlamentswahl zeugen von Respekt und Skepsis.

Die Ironie dieser Revolution 2017 ist: Frankreich bekommt einen "republikanischen Monarchen" samt einer Machtfülle, wie dies das Land zuletzt unter der Regentschaft von Charles de Gaulle erlebte.

Macron hat angekündigt, die Gesetze unternehmerfreundlicher zu gestalten, um mehr Jobs zu schaffen. Seitdem wird der Präsident nicht mehr für sieben Jahre gewählt, sondern für fünf - wie das Parlament.

Mit der Wirtschaftsreform will Macron sofort nach der Wahl beginnen. Die Rede ist in einem solchen Fall von einer Kohabitation: Premier und Präsident konkurrieren, die Exekutive ist gespalten und der Präsident in seiner Macht eingeschränkt.


Beliebt

VERBINDEN