Macron-Lager kommt laut Endergebnis auf absolute Mehrheit

Frankreich hat damit einen starken Wahlmonarchen, aber keine starke parlamentarische Opposition mehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Emmanuel Macron nach der zweiten Runde der Parlamentswahl in Frankreich zur klaren parlamentarischen Mehrheit gratuliert. Präsident Emmanuel Macron konnte bei der Abstimmung am Sonntag laut Meinungsforschern mit einer haushohen Mehrheit in der Nationalversammlung rechnen. Das französische Innenministerium teilte das Endergebnis am Montagmorgen mit.

So sind Macron, seine Partei und Regierung die einzigen, die gestärkt aus dem Votum hervorgehen. Überschattet wird der Sieg von einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung. Bei dessen Partei La République en Marche, dem großen Gewinner, gab man sich bescheidener.

Eine bittere Enttäuschung war der Urnengang aber auch für die bürgerlich-konservativen Républicains, die nach dem Scheitern ihres von Skandalen gebeutelten Kandidaten François Fillon in den Präsidentschaftswahlen immerhin noch auf eine Parlamentsmehrheit zusammen mit der mit ihnen Alliierten Zentrumspartei UDI gehofft hatten. Die Sozialisten von Ex-Staatschef François Hollande haben künftig nur noch 29 Abgeordnete in der Nationalversammlung. Die Bewegung Das unbeugsame Frankreich des Linkspolitikers Jean-Luc Melenchon gewann 17 Mandate, die Kommunisten erzielten zehn Mandate. Die Rechtspopulisten von der Partei "Front National" (FN) spielten deshalb bisher trotz zweistelliger Wahlergebnisse kaum eine Rolle im Parlament - häufig verbündeten sich die anderen Parteien im zweiten Wahlgang gegen sie. Bereits jetzt erfüllte er sein Wahlversprechen, das französische Parteiensystem aufzurütteln: Eine Hälfte seiner Kandidaten für die Parlamentswahl waren Bürger aus dem zivilen Leben, und eine Hälfte waren Frauen.

Viele der neuen Abgeordneten sind erstmals im Parlament, da Macron seine Partei als Bürgerbewegung in kurzer Zeit völlig neu aus dem Boden gestampft hat und dabei Wert darauf legte, Bürger zu gewinnen, die bislang nicht im politischen Establishment aktiv waren.

Einerseits waren 212 der bisherigen Abgeordneten nicht mehr zur Wahl angetreten. Die "Marschierer" des Staatschefs erhielten danach 311 der insgesamt 577 Sitze in der Assemblée nationale. Seit Beginn der 1958 gegründeten Fünften Republik war der Zuspruch zu einer Wahl noch nie so gering. Damit haben die Franzosen dem 39-Jährigen, der das Land grundlegend reformieren will, mehr Macht gegeben, als fast allen seinen Vorgängern. Laut ersten Hochrechnungen verschiedener Institute kam Macrons Lager im zweiten Wahlgang am Sonntag auf 355 bis 425 der 577 Sitze in der Nationalversammlung. Macrons Reformen werden in Deutschland und bei anderen EU-Partnern aufmerksam beobachtet. Das könnte auf eine geringere Zustimmung in der Bevölkerung für den Kurs des neuen Präsidenten hindeuten, als die Sitzverteilung im Parlament vermuten lässt.

Paris Die französischen Wähler haben Präsident Emmanuel Macron freie Hand bei der Durchsetzung seiner Reformagenda gegeben.

► Noch in diesem Monat will Macron eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts auf den Weg bringen. Zudem strebt er weitreichende Reformen in der vom angekündigten Austritt Großbritanniens verunsicherten Europäischen Union an. Bei der Parlamentswahl setzten sich Minister der bisherigen Regierung durch, unter ihnen Wirtschaftsressortchef Bruno Le Maire und Europaministerin Marielle de Sarnez.

Die Ergebnisse der Parlamentswahl geben Macron ein deutliches Mandat, um seine Arbeitsreformen durchzusetzen und die Neuordnung in der französischen Politik zu gestalten. Mit hauchdünner Mehrheit erklärte sich auch der frühere Premierminister Manuel Valls zum Sieger in seinem Wahlkreis, der Vorsprung habe 139 Stimmen betragen.


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