Anschlag mit Lieferwagen auf Londoner Muslime

Ein Transporter ist in London in eine Fußgängergruppe gefahren. Am Ort des Geschehens starb auch ein Mann, der zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte. Wie die Polizei bekanntgab, wurde der Mann später "wegen Terrorismus" inhaftiert. Nach Angaben des Rats der Muslime ereignete sich der Vorfall vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park - nicht direkt vor der Moschee, wie es der Rat zunächst mitgeteilt hatte.

Die Opfer: Zehn Menschen werden verletzt, acht von ihnen müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Augenzeugen hatten berichtet, ein Kleintransporter habe die Straße verlassen und sei in die Gruppe vor dem Gebetshaus gefahren. Dort waren gerade die Gebete nach dem täglichen Fastenende im heiligen Monat Ramadan zu Ende gegangen. Londons Bürgermeister Said Khan verurteilte den Anschlag. Premierministerin Theresa May wollte am Morgen eine Krisensitzung einberufen. Gegen ihn wird wegen Terror und Mord ermittelt.

Das sahen offenbar auch viele Menschen in der britischen Hauptstadt so: Am Tatort legten sie Blumen nieder, auf Schildern stand "Gemeinsam gegen jeden Terror".

Nach Angaben des Britischen Rats der Muslime könnte es sich um einen gezielt gegen Muslime gerichteten Anschlag gehandelt haben. Sie verurteilte die Attacke als "widerlich". "Hass und Böses dieser Art werden niemals Erfolg haben", so May. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, es spreche einiges dafür, dass es eine "Tat aus blindem Hass" sei.

Der 48 Jahre alte Fahrer des Wagens wurde der Polizei zufolge von Umstehenden festgehalten und dann festgenommen.

Der Attentäter wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht, wo sein Geisteszustand untersucht werden sollte. Andere beugten sich über ihn, um ihm zu helfen, als der Täter in seinem weißen Lieferwagen auf sie zugerast kam. Dem Leiter muslimischen Gebetshauses zufolge soll er gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan", anderen Zeugen zufolge soll er gesagt haben, er wolle Muslime töten. Fotos in den sozialen Medien zufolge trägt der Transporter das Logo einer Fahrzeugvermietung. Als einige Anwesende wütend auf ihn losgingen, war es ein Imam, der sich schützend vor ihn stellte.

Nach seiner Festnahme habe der Fahrer im Polizeiauto gewunken und seinen "Sieg" gefeiert, berichtet Athman. "Er wusste ganz genau, was er tut".

Bei dem Angriff, der sich in der Nacht von Sonntag auf Montag ereignete, wurden nach bisherigem Kenntnisstand ein Mensch getötet und zehn weitere zum Teil schwer verletzt.

Die Terrorwarnstufe in Großbritannien steht auf "ernst", der zufolge Anschläge im Land sehr wahrscheinlich sind.

Den Ermittlungen zufolge handelte der Verdächtige Osborne allein. Es handle sich um eine "gewalttätige Manifestation von Islamophobie". Die Polizei spricht von einem "schweren Zwischenfall". Nach dem mutmaßlichen Anschlag mitten im Fastenmonat Ramadan ist die Gemeinde nun "unter Schock", wie der Vorsitzende des Moscheevereins, Mohammed Kozbar, sagt: "Unsere Gedanken und Gebete sind mit denen, die getroffen wurden".

Die Verantwortlichen riefen zur Ruhe auf: "Spekulationen über den Vorfall sind nicht hilfreich". Ein Bewaffneter soll durch ein Tor auf das Parlamentsgelände zugestürmt sein und einen Polizisten erstochen haben.


Beliebt

VERBINDEN