Kein nationaler Staatsakt für Kohl geplant

Einer der größten Momente seines Lebens: Bei der Einheitsfeier am 3. Oktober 1990 winkt Helmut Kohl in die Menge, flankiert von Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Berlin - Altkanzler Helmut Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Dieser ist nach Angaben der "Bild am Sonntag" in Straßburg vorgesehen. Nach dem Staatsakt solle Kohls Leichnam demzufolge über den Rhein in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden. Deshalb gebühre Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den er sich persönlich einsetzen werde, sagte Juncker der "Bild am Sonntag".

Trauernde tragen sich in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus in ein Kondolenzbuch ein. Papst Franziskus würdigte den Altkanzler als "großen Staatsmann und überzeugten Europäer".

Das Kondolenzbuch liegt anschließend am Sonntag noch bis 18 Uhr und an den darauf folgenden Werktagen bis einschließlich Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr aus. Danach werde der engste Familien- und Freundeskreis in der Traukapelle im Adenauerpark in Speyer Abschied von Kohl nehmen. Er gilt als Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Montag beim Auftaktspiel zum Confederations Cup gegen Australien mit Trauerflor spielen. Auch ein deutscher Staatsakt wurde diskutiert - kommt jetzt aber nicht mehr in Frage. Einem entsprechenden Antrag des Deutschen Fußball-Bundes gab der Weltverband FIFA statt, wie der Sportinformationsdienst (sid) berichtete. Die Nachricht von Kohls Tod erreichte die Regierungschefin während eines Besuches in Rom.

"Mit seinen besonderen Verdiensten um Europa und um die Einheit der Deutschen hat Helmut Kohl es verdient, dass in Berlin und anderen Städten auch Straßen und Plätze nach ihm benannt werden", sagte auch der frühere SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping in der "Welt am Sonntag".


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