Muslime demonstrieren gegen Terror und kaum einer kommt

Anders als Aiman Mazyeks "Zentralrat der Muslime" sprach sich der mit der türkischen Staatsführung verbundene Islamverband DİTİB aber gegen eine Teilnahme aus. Wer in der deutschen Politik etwas auf sich hält, unterstütze den Aufruf. Diskussionen gab es weiter um die Absage des größten Islam-Dachverbands in Deutschland, Ditib. Zusammen mit dem Islamrat und der IGMG hatte die DITIB sich dem Aufruf verweigert und bereits vor Beginn der Kundgebung jede Menge Schelte eingesteckt. Damit hatte der Verband Unverständnis unter anderem bei der Bundesregierung ausgelöst.

Ditib wirft den Initiatoren der Kundgebung vor, es gehe ihnen um "mediale und politische Effekthascherei" und nicht um die Bedürfnisse der Muslime.

Der groß angekündigte Friedensmarsch der Muslime in Köln endet mit einer großen Enttäuschung. Endlich - meinten viele Politiker, Publizisten und "Islamkritiker", die in den letzten Monaten und Jahren medienwirksam und mantraartig forderten, "die Muslime" müssten sich von der Gewalt im Namen ihrer Religion klar und unmissverständlich distanzieren. Sie sieht durch die Kritik des staatsnahen türkischen Religionsverbandes an einer Demonstration gegen islamistischen Terrorismus die Forderung "bestätigt, dass DİTİB kein Partner im Islamstaatsvertrag der Hansestadt Hamburg sein kann".

Was sagt die geringe Teilnehmerzahl über den Rückhalt eines liberalen Islam bei hiesigen Muslimen? Selbstverständlich hat diese Barbarei mit dem Islam zu tun. "Das ist der falsche Weg und das falsche Zeichen, denn diese Form der Schuldzuweisung spaltet die Gesellschaft".

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hätte sich nach eigenen Worten die Beteiligung aller muslimischen Verbände gewünscht. Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Kauder, sagte der "Welt am Sonntag", Ditib fördere mit der Argumentation nicht die Verständigung. Organisiert wird der Protest von Friedensaktivist Tarek Mohamad und der Islamwissenschaftlerin und Publizistin Lamya Kaddor.

Die Frage leuchtet ein: Wieso sollen sich Muslime für islamistische Anschläge rechtfertigen müssen?

Belagert werden die wenigen Demonstranten - viele von ihnen aus der deutschen Friedensbewegung, wie Buttons und Fahnen zeigten - von einer etwa gleich großen Zahl von Kamerateams und Journalisten.

Auch hat mit diesen Wortklaubereien eigentlich nur bekräftigt, dass die anderen sich nicht für Toleranz, Gleichheit und Brüderlichkeit unter allen Menschen einsetzen. Ditib hatte sich am Mittwoch kritisch zu der von zwei Privatleuten angemeldeten Antiterrordemonstration in Köln geäußert. Stattdessen befeuerte man den Schneeballeffekt, um der Erwartungshaltung der Mehrheitsgesellschaft gerecht zu werden.


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