Studie: Im Emsland wird zu viel gebaut

Dadurch komme es zu verödenden Dorfzentren und Leerständen.

Meppen/Köln. Im Emsland seien zwischen 2011 und 2015 rund 1060 Wohnungen mehr gebaut worden, als auf Basis der Bevölkerungsentwicklung und der bestehenden Leerstände sinnvoll gewesen wäre, hieß es.

Überall ist nach Einschätzung der IW-Forscher der Bedarf entweder gedeckt oder zu viel gebaut worden, so im Bayerischen Wald und in Teilen der Oberpfalz, aber auch im ländlichen Mittelfranken oder im Oberallgäu. So etwa im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg. Demnach werden dort auch weiterhin mehr Wohnungen gebraucht als gebaut.

In den sieben größten deutschen Städten wurden dem IW zufolge im selben Zeitraum nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut. Zu viel gebaut werde sowohl in Bayern, im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen, wie eine Grafik des IW zeigt. Der Prozess kann zur Zerstörung und Aufteilung von Landschaften führen und etwa Lebensräume von Wildtieren bedrohen. "Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden", sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

"Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung".

Eine weitere Folge seien sinkende Preise. Falls die Eigentümer der neuen Häuser ihre Immobilie in Zukunft verkaufen wollten, dürften sie sich schwer tun: "Da die Bevölkerung schwindet, fällt die Nachfrage langfristig weg. Das wirkt sich natürlich auf die Preisentwicklung aus".

Das IW empfiehlt Kommunen mit ausuferndem Neubau ein robustes Vorgehen. Trotz des interkommunalen Wettbewerbs sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen". In manchen dieser Kreise stieg die Zahl der Wohnungen dennoch, in Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sank sie hingegen. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahr nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent.

In vielen Landkreisen Deutschlands werden deutlich mehr Eigenheime gebaut als nötig.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da: "Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit", sagte Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München.

Voigtländer vom IW machte die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre für den Trend verantwortlich. Die Finanzierung von Immobilien wurde demnach günstiger und deren Kauf attraktiver - obwohl die Baukosten "stetig angezogen sind". So bauten viele Familien auf dem Land lieber etwas Neues, als sich etwas Altes zu kaufen.


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