Viel mehr Tote nach Londoner Hochhausbrand befürchtet

Die Polizei warnte jedoch, dass manche Leichen möglicherweise nie identifiziert werden könnten. Insgesamt 79 Menschen seien tot oder noch vermisst, "und traurigerweise" müsse er davon ausgehen, dass auch sie tot seien, sagte Stuart Cundy von der Londoner Polizei. Das erste Todesopfer wurde inzwischen identifiziert.

Die Polizei hat erstmals Aufnahmen aus dem Inneren des ausgebrannten Hochhauses Grenfell Tower veröffentlicht. "Die Untersuchungen werden tief gehen und meine Intention ist es, dass wir dabei helfen Antworten zu liefern". Am Sonntag hatten zwei Kabinettsmitglieder, Handelsminister Greg Hands und Schatzminister Philip Hammond, gesagt, die an dem 24-stöckigen Gebäude angebrachte Verkleidung sei baurechtlich womöglich gar nicht zulässig gewesen.

Nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe in London berief May Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein.

Am Montag gedachten die Briten in einer Schweigeminute der Opfer der Katastrophe im Grenfell Tower im Stadtteil Kensington. Bei der Fahrt eines Vans in eine Menschenmenge vor einer Moschee in London ist mindestens eine Person ums Leben gekommen. Im Grenfell Tower soll es Berichten zufolge keine angemessenen Fluchtwege gegeben haben. Viele Hochhäuser aus den 60er und 70er Jahren entsprächen nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Wie viele Tote es nach dem Brand gibt, wird sich wohl erst in Wochen aufklären, immer noch bergen die Einsatzkräfte Tote aus den Trümmern. "Die Anwohner haben das Gefühl, schlecht behandelt zu werden, weil einige von ihnen arm sind", sagte Bürgermeister Khan weiter. Überlebende und Angehörige der Todesopfer werfen den örtlichen Behörden vor, diese hätten die zahlreichen Hinweise und Warnungen hinsichtlich der Sicherheitsmängel in dem Sozialwohnbau missachtet. May wollte später am Freitag ein Treffen mit Regierungsvertretern zu Hilfsmaßnahmen für die Opfer leiten.

Premierministerin Theresa May sicherte den Opfern 5 Millionen Pfund (etwa 5,7 Millionen Euro) Unterstützung zu. Der Premierministerin - nach der für sie unglücklichen Unterhauswahl ohnehin unter Druck - wird angelastet, zu kühl reagiert und sich nach der Katastrophe zunächst nicht mit Opfern getroffen zu haben.

Mit Bannern, Plakaten und Sprechchören machten die Demonstranten am Freitagabend vor dem Ministerium für Kommunen ihrer Wut auf die Regierung Luft.


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