Schulz wirft Merkel "Anschlag auf Demokratie" vor

Die Union griff Schulz ebenfalls scharf an.

Ein Meinungsforscher habe Merkel im Jahr 2009 einen taktischen Rat gegeben, sagt der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat auf dem Programmparteitag am Sonntag in Dortmund. "Wir sind auf Eurer Seite", sagte Schulz. "Sie stellen nichts vor, sie laufen hinter uns her". Das sei, zugegeben, in der Vergangenheit eine erfolgreiche Strategie gewesen, befindet Schulz.

Die Sehnsucht, endlich der ungeliebten Grossen Koalition mit Angela Merkels Christdemokraten zu entrinnen und die Segel wieder ins gelobte Land der alten, linken Sozialdemokratie zu setzen, beflügelte viele Bürger links der Mitte - vor allem junge Menschen, die sich zuvor von der SPD entfremdet hatten.

Auf Schwesig folgt jemand, der sich mit Aufholjagden auskennt: Altkanzler Gerhard Schröder, der 2005 bereits scheinbar aussichtlos zurücklag, dann aber beinahe noch Angela Merkel und die Union abgefangen hätte. "Geh' zurück auf den Weg zur Demokratie, auf dem Du mal warst", sagte Schulz an die Adresse Erdogans. Harte Worte von Schulz, wenn auch ruhig vorgetragen. Und in dessen Zentrum Investitionen in Bildung und Infrastruktur stehen.

Wenn die politische Stimmung so bleibt, wie sie ist, wird es die SPD im Herbst zum Regieren vielleicht gar nicht mehr brauchen: CDU/CSU und Liberale hätten derzeit eine Mehrheit. "Einen inhaltsleeren Wahlkampf wird es mit der SPD nicht geben". Die SPD hatte die drei Wahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen verloren. Und wie er dann über 20 Prozentpunkte aufgeholt habe - "in wenigen Wochen".

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der "Passauer Neuen Presse" zur Schulz-Rede: "Seine persönlichen Attacken gegen die Kanzlerin verpuffen und zeigen die riesige Ratlosigkeit der SPD".

Die große Frage ist, ob es dem Parteichef und Kanzlerkandidaten in Dortmund gelingen wird, die emotional gerupften Delegierten so zu motivieren, dass sie trotz der schlechten Umfrageergebnisse mit frischem Kampfgeist in ihre Wahlkreise zurückkehren.

"Nicht Journalisten, nicht Umfragemenschen entscheiden die Wahl", sagte Schröder. Auf dem Weg in dieses Amt dürfe es keine Selbstzweifel geben, "nicht beim Kandidaten, aber auch nicht bei Euch, nicht bei der deutschen Sozialdemokratie", rief Schröder unter dem Applaus der rund 600 Delegierten.

Wer mit Delegierten und anderen SPD-Mitgliedern auf dem Parteitag spricht, merkt: Auch sie wollen daran glauben, dass noch etwas geht. Aber es ist auch klar: Die Partei vereint sich weiter hinter Schulz. Die Kommission, der sie selbst angehören wird, soll demnach herausarbeiten, wie eine Vermögensteuer rechtssicher eingeführt werden kann. Und der Wähler teilte diese Euphorie, zumindest in Umfragen. Das sieht auch Oppermann so: "Das SPD-Programm trägt die Handschrift von Martin Schulz, Programm und Person passen hervorragend zusammen". Ein Ort der Siege von gestern also.

Zu der Veranstaltung in der Westfalenhalle haben sich mehr als 5000 Besucher angemeldet. Nötig seien Disziplin, Geschlossenheit, aber auch Selbstbewusstsein.


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