Seehofer: Kandidat Schulz verliert die Nerven

Familie sei nicht nur "Vater-Mutter-Kind", sondern da, wo Menschen Verantwortung füreinander übernähmen. Dazu gehörten auch homosexuelle Paare. Doch ihr Wahlprogramm kommt bei den anderen möglichen Koalitionspartnern nicht gut an. Die Union wehrt sich bislang dagegen, die Ehe zu öffnen. Im ZDF-"Politbarometer" waren die Sozialdemokraten zuletzt auf 25, die Union auf 39 Prozent gekommen. In Reden im Bundestag hatten SPD-Politiker für die Ehe-Öffnung gesprochen. Strategen in der SPD stellen sich ja längst darauf ein, dass die SPD am Ende doch wieder als Juniorpartner in einer großen Koalition landen könnte. Beim Bundesverfassungsgericht war die Opposition mit dem Versuch gescheitert, eine Abstimmung im Bundestag zu erzwingen.

Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte die Homo-Ehe bereits zur Bedingung für eine Koalition erklärt. Man muss nicht alle Forderungen teilen, immerhin aber weiß man bei der SPD im Unterschied zur Union, woran man bei ihr ist. "Das schließt das Adoptionsrecht ausdrücklich mit ein".

Das ist bitter für Martin Schulz. "Is dat heiß hier". Der Applaus in Dortmund hielt sich anfänglich in Grenzen. Natürlich ist dieser Wahlparteitag der SPD "sein Parteitag", er ist schließlich SPD-Chef und Kanzlerkandidat.

Diesen Verzicht hat die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht scharf kritisiert. Merkel sage aber nur "Ihr habt mich - das reicht". Diese Wurstigkeit ist aber kein "Anschlag auf die Demokratie", wie der Kandidat Schulz atemlos behauptet. Die Parteilinken und der SPD-Nachwuchs Jusos hatten zuvor gefordert, die Sonderabgabe für Superreiche ins Programm aufzunehmen. An die Schlagzeilen, die ihm das schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten vorhersagten.

Die Linkspartei reagierte noch schärfer auf die Beschlüsse der SPD. Nach seiner Meinung sollte solch ein den persönlichen Lebensbereich betreffendes Thema nicht zu einem Streitthema der Parteienpolitik werden.

Die Debatte über das Wahlprogramm fällt knapp aus - was auch daran liegt, dass der Parteitag wegen des großen Andrangs mit Verspätung begonnen hat. Die Rente sei eine zentrale Gerechtigkeitsfrage in der Gesellschaft.

Zuvor hatte Altkanzler Gerhard Schröder seiner Partei Mut gemacht für den Bundestagswahlkampf und die Sozialdemokraten zum Kämpfen aufgerufen. Vor allem aber griff er die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder frontal an. Dieser hatte in seiner Rede unter anderem gesagt, die SPD habe "noch viel Zeit, um die Stimmung zu drehen". Auch wenn es nicht gereicht habe, sei die Aufholjagd enorm gewesen. "Wir haben gekämpft und aufgeholt", erinnert Schröder. "Was damals ging, das geht heute auch", ruft Schröder.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Linder warf Schulz am Montag vor, mit überzogener Kritik an der Union die wahren Feinde der Demokratie zu verharmlosen. Er ist ein Kampfredner, einer, der die Menschen in seinen Bann zieht. Seine ungewöhnlichen Formulierungen auf dem Parteitag hallen nach.

DEUTSCHLAND ⋅ 90 Tage vor den Wahlen ist Kanzlerin Merkel weit in Front.

Der Schulz-Hype ist vorbei - und ich sehe nicht, wie noch einmal einer entstehen könnte.

Dass Schulz dafür ausgerechnet Schröder auf die Bühne bittet, ist kein Zufall. So detailliert Schulz Inhalte liefert und die Kanzlerin wegen Inhaltsleere attackiert, das Handicap der SPD ist: Es gibt keine Wechselstimmung in Deutschland. Deshalb: "Auf in den Kampf", rief Schröder in Saal.


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