Union verteidigt Merkel gegen Schulz-Kritik

Für die Sozialdemokraten seien die Grundwerte von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität der Kompass. Auf "einen irrlichternden Präsidenten Donald Trump" könne man sich nicht mehr verlassen. "Wir werden sicher über die Vermögensteuer weiter diskutieren, aber es steht jetzt nicht an", gibt Schulz als Devise aus. "Meine Generation hat Angela Merkel satt", begründet die Chefin der Jugendorganisation, Johanna Uekermann, warum man sich nicht länger querstellt.

Der SPD-Kanzlerkandidat hatte der Union auf dem Bundesparteitag vorgeworfen, sich der Debatte um die Zukunft des Landes zu verweigern und eine geringere Teilnahme an der Wahl billigend in Kauf zu nehmen.

Da war sie kurzzeitig wieder zu sehen, die Hoffnung in den Augen der Genossen. "Keiner hat Interesse, dass sich der Parteitag an einer inhaltlichen Frage zerlegt", merkt ein einflussreicher Delegierter aus Nordrhein-Westfalen an.

635 Delegierte, dazu fast 6000 Parteifreunde. "Wir haben ein Rentenkonzept mit der SPD verabredet, bis zum Jahr 2030". "Die hat ja kein politisches Thema - ausser den Streit mit der CSU".

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der "Passauer Neuen Presse" zur Schulz-Rede: "Seine persönlichen Attacken gegen die Kanzlerin verpuffen und zeigen die riesige Ratlosigkeit der SPD". Das bleibt ihm, auch wenn es im September nicht mit den Einzug ins Kanzleramt klappen sollte. Zuletzt lag die SPD im ZDF-Politbarometer nur noch bei 25 Prozent - 14 Prozent hinter der Union.

Martin Schulz hat in seiner Rede deutlich gemacht, dass wir für eine offene, gleichberechtigte Gesellschaft stehen. Die Bundeswehr müsse zwar besser ausgerüstet werden als das unter CDU-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyern aktuell der Fall sei, forderte Schulz. Man werde CDU und CSU auch "nicht durchgehen lassen", die Rente aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Da sei es "schon ein ungewöhnlicher Vorwurf", das Wort von einem Anschlag auf die Demokratie gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu richten, sagte der designierte nordrhein-westfälische Ministerpräsident. All diese Gruppen hätten in der SPD "einen entschiedenen Gegner". Deshalb: "Auf in den Kampf", rief Schröder in Saal. Venceremos!" (Spanisch für: "Wir werden siegen). "Ich erinnere mich immer an diejenigen, die den Amerikanern in jeden, auch in den Irakkrieg folgen wolten", spielte er auf Merkels Wohlwollen gegenüber der amerikanischen Intervention im Irak an. Damals hatten viele Deutsche die Nase voll von Helmut Kohls Kanzlerschaft. Von einst mehr als 30 Prozent auf dem Höhepunkt des Hypes um Martin Schulz sind nur noch 24 übrig. Die Genossen wollen jubeln, klatschen, Mut zugesprochen bekommen. Zudem warnte der Altkanzler vor einer künftigen Koalition mit der Linkspartei.

Der Vater der Agenda 2010 hat in der SPD nicht nur Freunde, aber er weiß, wie Wahlkampf geht - deswegen soll er auf dem Parteitag für Motivation sorgen.

Der Kreisverbands-Abgeordnete Jan-Christoph Schaberick zündete sich vor dem Gebäude eine Zigarette an und räsonnierte zufrieden: "Das war ein guter Auftritt von Martin Schulz".

Die Umfragen aber beschreiben trotzdem seit Ende April einen Sinkflug der SPD, seit sich Schulz aus Rücksicht auf Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihren Landtagswahlkampf zurückhielt.


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