Prozesse: Landgericht schätzt Liegestützen auf Altar als Kunst ein

Das Landgericht Saarbrücken spricht den Videokünstler Alexander Karle frei.

Der Saarbrücker Künstler Alexander Karle, der für ein Video rund 30 Liegestütze auf dem Altar einer Kirche absolviert hat, ist wegen Hausfriedensbruchs verurteilt worden. Es hob damit eine Entscheidung des Amtsgerichts vom Januar auf, das Karle zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt hatte.

Die Kammer betrachtete die Liegestützen als Ausübung einer künstlerischen Tätigkeit und nicht als "beschimpfenden Unfug".

"Kunst ist das, was der Künstler als Kunst bezeichnet", erklärte Richter in seiner Begründung, "und es steht uns nicht an, Herrn Karle das abzusprechen" - ungeachtet dessen, ob diese Kunst gefalle oder provoziere. Karle sei "dezent, ruhig und zurückhaltend" vorgegangen. Pastor Eugen Vogt, der seinerzeit Anzeige gegen den Künstler erstattet hatte, zeigte sich enttäuscht. Der Angeklagte gestand nun jedoch, dass er die etwa 30 Liegestütze im abgesperrten Altarraum der Saarbrücker Basilika Sankt Johann getätigt habe. Dieser sei auch nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt. Nach wie vor halte er die Aktion für "ein grob ungehöriges und missachtendes Verhalten".

Saarbrücken - In zweiter und letzter Instanz verwarnte das Landgericht Saarbrücken den 39-Jährigen am Montag und verurteilte ihn dazu, 500 Euro an eine Jugendeinrichtung der Caritas zu zahlen.

Nachdem der Diplom-Künstler kürzlich noch mit der Meldung überrascht hatte, dass es sich bei seinem Film "Pressure to Perform" ("Leistungsdruck") tatsächlich nur um eine Videomontage gehandelt habe, blieb er am Montag bei seinem Geständnis vom ersten Prozess. "Ich wollte nur zeigen, wie widersprüchlich das Thema ist, was fiktiv oder real ist", so begründete er seine zwischenzeitliche Falschbehauptung.


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