Fassungslosigkeit nach Messerattacke in Ägypten

Juli, gegen 13 Uhr schwimmt ein Mann auf einen Strand im ägyptischen Badeort Hurghada zu, an dem sich Dutzende Urlauber - die meisten Ausländer - sonnen.

Der Konsul der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Kairo sowie ein Beamter des Bundeskriminalamtes wurden nach dpa-Informationen noch in der Nacht in Hurghada erwartet.

Am Tag nach dem tödlichen Angriff auf zwei deutsche Frauen in Hurghada ist das Leben am Strand des Hotels "Zahabia" zurück.

In Ägypten hat nun ein 28-Jähriger zwei deutsche Frauen mit einem Messer ermordet - offenbar im Auftrag des "Islamischen Staates". Weil er befürchten musste, das er nicht von der Landseite aus in das Hotel eindringen konnte, stieg er ins Wasser und schwamm bis zum Hotelstrand der 4,5-Sterne-Anlage "Sunny Days El Palacio". Die zahlreichen Checkpoints, mit denen das ägyptische Militär die Zugänge zu den Tourismusorten kontrolliert, passierte er ohne Probleme: Bislang war B. den Behörden nie aufgefallen, in seinem Gepäck befand sich nichts Verdächtiges.

Es handele sich um einen "besonders hinterhältigen und verbrecherischen Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt", sagte die Sprecherin weiter.

Hotelanlage in Hurghada

ARD-Korrespondent Stefan Maier berichtete im Nachtmagazin, dass der Angreifer vier weitere Frauen bei seinem Angriff verletzt habe. Er stamme aus dem Norden des Landes und soll Uni-Absolvent sein, hieß es aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Er sei darüber "sehr bestürzt", verbreitete das Auswärtige Amt am Sonnabend über Twitter. Die Vorgehensweise mit dem Messer ist eine der primitivsten Anschlags-Methoden, das Heranschwimmen von einem anderen Strandpunkt aus ein simples, aber effektives Mittel, um Sicherheitskontrollen an der Badestelle zu umgehen. Laut dem ehemaligen deutschen Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely, stammen sie aus der Nähe von Peine. Das schwerste Attentat gegen Urlauber war ein Bombenanschlag auf einen russischen Ferienflieger im Herbst 2015.

Die schweren Anschläge auf Urlauber beanspruchte stets ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (ISIS) für sich. Er bittet um Verständnis: Überall gebe es Verrückte, die irgendwann ausrasteten.

Der Staatliche Informationsdienst Ägyptens hob dabei hervor, dass die Gewalt gegen Touristen in Ägypten in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Die Dschihadisten operieren im Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel - einem militärischen Sperrgebiet, in dem sich die ägyptische Armee immer wieder heftige Gefechte mit den Extremisten liefert.

Im Januar 2016 waren in Hurghada ebenfalls Touristen einer Attacke geworden. Erst vor wenigen Tagen starben bei einem Angriff mehr als 20 Soldaten. Seit den 1980er Jahren sind mehr als 250 Hotelanlagen in dem früheren Fischerdorf entstanden. Die Ferienregion ist auch bei Deutschen beliebt.

Bekannt ist der Badeort vor allem für seine durchgängig warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt. Hurghada gilt daher als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer überhaupt. Auch Windsurfen, Segeln und Hochseeangeln werden angeboten.


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