Autoindustrie soll sich abgesprochen haben

Es soll um alle Bereiche der Entwicklung gegangen sein, um Motoren, Bremsen, Kupplungen, Getriebe und mehr: Die deutschen Autobauer VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler haben nach einem Bericht des "Spiegel" bei einer Reihe von Technikstandards Absprachen getroffen. Laut einem Onlinebericht des Magazins hätten die Hersteller über viele Jahre in einer Reihe geheimer Arbeitskreise Preise, technische Standards und Geschäftsbedingungen abgesprochen.

Einem Medienbericht zufolge stehen deutsche Autobauer unter dem Kartellverdacht. VW und Daimler sollen eine "Art Selbstanzeige" bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben. In den Arbeitsgruppen ging es zudem um die Auswahl von Lieferanten oder die Festlegung von Kosten für Fahrzeug-Bauteile. Dabei nahmen die Ermittler Tausende Ordner und Daten mit und machten die Konzerne somit zu gläsernen Institutionen - detailliertes Material, das sicherlich nicht nur bei den Ermittlungen wegen der Diesel-Abgase eine Rolle spielen dürfte. Auch Daimler habe eine "Art Selbstanzeige "hinterlegt".

Daimler erklärte, das Unternehmen äußere sich nicht zu Spekulationen. Das Kartellamt erklärte: "Details laufender Verfahren können wir nicht kommentieren", die EU-Kommission: "Zu diesem Thema geben wir keine Stellungnahme ab". Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen betroffen sein. Die Autobauer sollen auch vereinbart haben, wie groß die Tanks für das Harnstoffgemisch AdBlue sein sollten, mit dem Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff umgewandelt werden. Demnach findet sich unter den von der Staatsanwaltschaft München II bei Durchsuchungen im VW-Konzern, in Wohnungen und bei der US-Kanzlei Jones Day beschlagnahmten Unterlagen eine Audi-Präsentation namens "Clean Diesel Strategie" von April 2010.

Anwälte sehen dennoch bereits die Wende in der Dieselaffäre: "Im Abgasskandal drohen den Automobilherstellern erstmals schmerzhafte Sanktionen", sagte Rechtsanwalt Christopher Rother unserer Redaktion. Dieses betreffe den Einbau kleinerer AdBlue-Tanks.

Er bekräftigte seine Kritik an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dem auch die Grünen einen zu laschen Umgang mit der Industrie vorwerfen. Unterdessen verschärft die EU-Kommission im Dieselskandal den Druck auf die Hersteller. Letztendlich sollten nicht konforme Wagen ab 2018 aus dem Verkehr gezogen werden, heißt es nach dpa-Informationen in einem Brief von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska.


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