Empörung über "Auschwitz on the beach"

Es häuften sich kritische Stimmen, die den Künstlern eine Relativierung des Holocausts vorwarfen, indem diese das Schicksal von Flüchtlingen mit der Judenverfolgung- und Vernichtung in der NS-Zeit verglichen. In der Ankündigung der Documenta hatte Berardi die Europäer beschuldigt, "Konzentrationslager" zu errichten und "Gauleiter" in der Türkei, Libyen und Ägypten zu bezahlen, die "Drecksarbeit" zu erledigen. "Die Veranstaltung wird nicht so stattfinden wie geplant", sagte ein Sprecher der Kunstausstellung der Deutschen Welle.

Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) fordert jetzt die Künstler auf, die Aktion zu beenden, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Die geplante einstündige Performance "Auschwitz on the Beach" ist eine Aktion, die auf einem Gedicht Franco Bifo Berardis basiert und mit einem Soundtrack von Fabio Stefano Berardi und einer Bildinstallation von Dim Sampaio versehen ist. "Das Salzwasser hat mittlerweile Zyklon B ersetzt", heißt es hier. Geselle ist kraft seines Amtes auch Aufsichtsratsvorsitzender der Documenta GmbH. Er und Rhein waren aber davon ausgegangen, dass die ursprünglich geplante Performance von der Kunstfreiheit gedeckt sei - eine Einschätzung, der die Staatsanwaltschaft in Kassel zustimmte.

Charlotte Knobloch sprach laut einer Mitteilung der Israelitischen Kultusgemeinde München, der sie vorsteht, von einer "grotesken Inszenierung". Die Performance sei jedoch "geschichtsblind und obszön". Dies hatte heftige Kritik unter anderem bei der jüdischen Gemeinde in Kassel ausgelöst. "Die Frage, wie mit der Erinnerung an die Schoah und den damit verbundenen Begriffen umgegangen wird und wie wir künftigen Generationen von diesem unfassbaren Verbrechen berichten, geht uns alle an", sagte die Vorsitzende Illana Katz. Zudem werde in der Ankündigung die europäische Migrationspolitik, die in der Performance thematisiert werden soll, mit Vokabeln belegt, die aus dem Kontext des nationalsozialistischen Massenmordes an den europäischen Juden stammten. Er habe lange gezögert, solche Worte zu schreiben: "Am Ende entschied ich, dass wir sagen müssen, was wir sehen: Das Unmenschliche ist zurück", so Berardi.


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