Russlands Energieminister lobt Schröders Rosneft-Kandidatur

Der Altkanzler wolle sein früheres Amt nun "versilbern", sagt Röttgen im ZDF. "Ein überhöhter Preis, offenbar wurde bestochen, die Branche war empört", sagt Wladimir Milow, damals Vize-Energieminister, heute heftiger Kritiker Setschins, der hinter dem Deal stecken soll.

Altkanzler Gerhard Schröder erhält in diesem Jahr 561.000 Euro aus der Staatskasse für ein Büro in Berlin. "Dass er sich dafür hergibt, ist zutiefst kritikwürdig", sagte Röttgen am Freitag im ZDF morgenmagazin. Rosneft sei ein "zentraler Baustein im Machtsystem" von Russlands Präsident Wladimir Putin, mit dem Schröder seit langem befreundet ist. Dazu kommt eine Nettoschuld, die zur Jahresmitte 37,5 Milliarden Dollar erreichte. "Aber Schröder ist nicht so naiv, dass er irgendetwas unternimmt, was Putin nicht gefällt", sagt der Petersburger Wirtschaftswissenschaftler Dmitri Trawin. Hinzu kommen Bezüge für seine Zeit in der niedersächsischen Landesregierung und als Bundestagsabgeordneter. Er könne auch nicht erkennen, warum Schröders Engagement die deutsch-russischen Beziehungen verbessern solle. Es sei ein "schlechter Witz", wenn Schröder behaupte, er wolle für Deutschlands Energiesicherheit arbeiten.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder kandidiert am Freitag gegen öffentliche Kritik in Deutschland für den Aufsichtsrat des größten russischen Ölkonzerns Rosneft. Zuletzt erhärtete sich einem russischen Agenturbericht zufolge, dass der Altkanzler den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen soll.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nimmt einen lukrativen Posten bei dem halbstaatlichen russischen Erdölkonzern Rosneft an. Der Konzern gehört zu den Unternehmen, die wegen der russischen Krim-Annexion auf einer Sanktionsliste der EU stehen. Im Bundestagswahlkampf hat die Personalie aber der SPD wie Schröder viel Kritik eingetragen. Der SPD-Parteichef und Kanzlerkandidat Martin Schulz distanzierte sich vom Altkanzler, ohne dessen Entscheidung allerdings beeinflussen zu können. Er selbst hat dies zu seiner Privatsache erklärt. Er wurde Vorsitzender des Aktionärsausschusses eines Konsortiums, an dem der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält. Im vergangenen Jahr wurde er zudem Chef des Verwaltungsrats der Gazprom-Tochter Nord Stream 2. Ein spannender Job: Setschin gilt als zweitmächtigster Mann Russland und als Manager mit eigenwilligem Geschäftsgebaren. Setschin hat Rosneft mit rüden Methoden zum größten Ölkonzern des Landes gemacht.

In Zeiten der krawalligen AfD wirken Schröders moderate Töne, die er im Umgang mit Russland anschlägt, angenehm unaufgeregt.

Kurz nach seiner Abwahl als Kanzler 2005 war der heute 73-Jährige Schröder bereits beim Betreiber der Gas-Pipeline Nord Stream von Russland nach Deutschland eingestiegen.


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