Tinder schickt Journalistin 800 Seiten

Selbst die Journalistin Duportail hat nicht alle Daten bekommen.

Würde ein Hacker an alle Daten von Tinder herankommen, dann hätte er umfangreiche Informationen über das Sex- und Liebesleben von etwa 50 Millionen Nutzern auf der ganzen Welt. Knapp vier Jahre später hat Duportail Tinder 920 Mal geöffnet, 870 Männer kennengelernt und rund 1700 Nachrichten geschrieben. Woher sie das weiß? Duportail hat das Unternehmen nach ihren Daten gefragt, die sie in den letzten vier Jahren produziert hat. Duportail wies darauf hin, dass jeder EU-Bürger ein Recht darauf hat, dasselbe auch bei jedem anderen Internet-Unternehmen anzufragen.

Die Journalistin Judith Duportail machte sich das europäische Datenschutzrecht zu Nutze. Darin kann sie nachlesen, wie alt die Männer sind, die sie kennenlernen wollte und auch, über was sie mit ihnen gechattet hat. Tinder analysierte nicht nur sämtliche App-bezogene Daten wie Beschreibungstext, Facebook-Likes und Matches.

Doch was sie in den Dokumenten zu lesen bekommt, lässt Duportail erschaudern.

Für Duportail war es überraschend, wie viele Informationen Tinder über sie gesammelt hat. Denn diese offenbaren ihren intimsten Gedanken und sexuellen Vorlieben. Einmal habe sie 16 Menschen gleichzeitig geschrieben und sich dann nicht mehr bei ihnen gemeldet. Tinder hat das alles aufgezeichnet. Die gespeicherten Daten zeigen auch ihre Dating-Taktiken.

"Ich war schockiert, aber nicht überrascht von dieser Datenmenge", sagt Olivier Keyes, Wissenschaftler an der Universität von Washington. Beispiel: Tinder ermittelt für jeden Nutzer einen Attraktivitätswert. "Facebook hat Tausende Seiten über dich!" Auch in den 800 Seiten über Duportails Liebesleben fehlt dieser Wert. Der Ausdruck der 800 Seiten, die Materialisierung der Daten, berühre hingegen.

Tinder selbst macht kein Geheimnis aus seiner Datensammelwut. In den eigenen Geschäftsbedingungen des Unternehmens steht klar und deutlich: "Wir dürfen persönliche und auch sensible Daten sammeln". Obwohl man Schritte zum Schutz der Informationen unternehme, könne das Unternehmen aber nicht versprechen, dass persönliche Informationen, Chats oder sonstige Kommunikation immer sicher bleiben werden und man sollte dies auch nicht erwarten.


Beliebt

VERBINDEN