350.000 demonstrieren gegen Kataloniens Unabhängigkeit

Rajoy lehnt jeden Dialog mit Barcelona ab.

Wegen der drohenden Abspaltung Kataloniens demonstrieren Unabhängigkeitsgegner am Sonntag (ab 12.00 Uhr) in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona. (Reden wir?) versammelten sich die Demonstranten vor den Rathäusern, etwa in Madrid und Barcelona. Bei einem "patriotischen Marsch" in Madrid für Spaniens Einheit schwenkten die Menschen spanische Flaggen und beschimpften die katalanische Führung. "Hablemos?" ("Sprechen wir?" auf Katalanisch und Kastilisch). Darin wurde dazu aufgerufen, sich als Zeichen der Gesprächsbereitschaft weiß gekleidet vor den Rathäusern im Land zu treffen und weiße Tücher an den Balkonen zu befestigen. Er erinnerte in einer kämpferischen Ansprache an die Jahre, die er gegen Ende der Franco-Diktatur in Barcelona verbrachte, "als hier schon europäische Winde wehten", eher als in anderen spanischen Städten.

Die zentrale Plaza Colón hatte sich in ein Meer aus spanischen Nationalflaggen verwandelt. Auch EU-Fahnen waren zu sehen. Damit könnte Madrid die Regionalregierung entmachten und Katalonien die Teilautonomie entziehen.

In Barcelona war für Sonntag ebenfalls eine Großdemonstration für Spaniens Einheit vorgesehen.

Hauptredner war der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt.

In Spanien wollen die Gegner einer Unabhängigkeit Kataloniens heute auf die Straße gehen. Mit Blick auf Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, riefen die Menschen: "Redet oder tretet zurück!" und "Weniger Hass und mehr Gespräche!"

Die eigentlich für Montag geplante Abstimmung im Parlament über die Unabhängigkeit wurde abgesagt, nachdem sie vom obersten spanischen Gericht verboten worden war. "Es ist wichtig, dass beide Seiten endlich miteinander reden, sowohl Rajoy als auch der katalanische Regierungschef Puigdemont haben Fehler gemacht". Er kündigte in einem Zeitungsinterview an, er werde "sicherstellen", dass eine Unabhängigkeitserklärung Kataloniens "zu nichts führen wird".

Der spanische Außenminister Alfonso Dastis nannte eine internationale Vermittlung "nicht hilfreich". Zugleich sei sie offen für "alle möglichen Lösungswege und Reformen".

Bei der von den Abspaltungsgegnern mehrheitlich boykottierten Befragung gewann das "Ja-Lager mit rund 90 Prozent; die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent".

Bei einem von der spanischen Justiz verbotenen Referendum waren staatliche Polizeieinheiten am vorigen Sonntag zum Teil gewaltsam gegen Wähler und Demonstranten vorgegangen. Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Angesichts der Ankündigung mehrerer Banken und Firmen, ihren Sitz aus Katalonien wegzuverlegen, äußerte sich der für Unternehmen in der katalanischen Regierung zuständige Santi Vila versöhnlich. "Viva España" und "Mit Putschisten führt man keinen Dialog", skandierten die Leute. Auch die Ärztin María Luisa Esponera (58) fühlt sich von der Generalitat (Regionalregierung von Katalonien) nicht vertreten: "Ich bin Katalanin und Spanierin, und ich glaube an die Einheit". Puigdemont ließ offen, ob nun am Dienstag die Loslösung von Spanien proklamiert werden soll.


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