Proteste in Russland zu Putins Geburtstag

Nawalny hatte zum Geburtstag von Kreml-Chef Putin in rund 80 Städten zu Protesten für freie und faire Wahlen aufgerufen. In der Moskauer Innenstadt hatten sich 1000 Demonstranten auf dem Puschkinplatz versammelt und gerufen: "Russland wird frei sein" und "Russland ohne Putin". In sozialen Netzwerken gab es Bilder, wie Polizisten Demonstranten wegtragen.

Die Behörden in Moskau und Sankt Petersburg hatten die in den Stadtzentren geplanten Versammlungen verboten, in Sankt Petersburg kündigten sie an, hart gegen Demonstranten vorzugehen. Der Protest blieb landesweit nach ersten Einschätzungen insgesamt kleiner als bei früheren Initiativen Nawalnys. Er war im September auf dem Weg zu einer Demonstration festgenommen worden. Ein Moskauer Gericht hatte am Freitag eine Berufungsklage abgewiesen. Zwischen 2008 und 2012 war er Regierungschef, ansonsten immer Präsident. Mehrere Staatschefs verbündeter Ex-Sowjetrepubliken gratulierten ihm und bekräftigten ihre enge Partnerschaft mit Russland. Laut Berechnungen des Internetportals Meduza hat Nawalny seit der Ankündigung im Dezember 2016, bei der Präsidentschaftswahl antreten zu wollen, im Schnitt jeden fünften Tag im Gefängnis verbracht, vor allem wegen Verstöße gegen das Versammlungsgesetz - so wie gerade jetzt.

Bereits Stunden vor Beginn der Hauptdemo in St. Auch in anderen Städten wurde von Festnahmen berichtet. Dabei gab es schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und den meist jungen Demonstranten, hunderte Menschen wurden festgenommen. Einige hielten aufblasbare gelbe Enten in den Händen, ein Zeichen der Anti-Korruptions-Bewegung, der sich auch der 41-jährige Politiker verschrieben hat.

In Jekaterinburg nahm die Polizei am Samstag 15 Menschen mit. Beamte machten aber Durchsagen, die Aktion sei nicht zugelassen, und Passanten dürften nicht gestört werden. Nach Angaben von OVD-Info wurden bei Protesten in 21 Städten, darunter in der westlichen Exklave Kaliningrad, in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi und in Juschno-Sachalinsk im Osten des Landes, 80 Demonstranten in Gewahrsam genommen. Er sitzt wegen des mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest.

Bei den Kundgebungen vom Samstag konnte Nawalny nicht so viele Anhänger mobilisieren wie im März und im Juni. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Petersburg. Die Politologin Jekaterina Schulmann hatte dies vorab befürchtet. "Wenn sich die Behörden unsicher sind, tendieren sie zu einer Überreaktion".


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