Spanien: Rajoy droht Katalanen mit Eingriff

Der Demonstrationszug in Barcelona am Sonntag. Mehrere hunderttausend Menschen demonstrierten in der katalanischen Hauptstadt für einen Verbleib in Spanien - viele kamen aus dem ganzen Land. Nach Polizeiangaben nahmen 350.000 Menschen an der Demonstration teil, die Veranstalter sprachen von 930.000 Teilnehmern.

Die Katalanen hatten sich am Sonntag bei einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der bisher wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Es reicht!"

Erst demonstrieren die Separatisten für die Unabhängigkeit Kataloniens - jetzt gehen ihre Gegner auf die Straße. Dennoch reklamierte Puigdemont anschließend, damit habe Katalonien das "Recht auf Unabhängigkeit" erlangt. Wenn Katalonien nun eine Sonderbehandlung erfahre, zeige das, dass Madrid eigentlich schon von der Unabhängigkeit ausgehe.

Die Demonstranten reisten teilweise auch aus anderen Landesteilen nach Barcelona. Viele Teilnehmer trugen spanische, katalanische und europäische Fahnen und riefen "Katalonien ist Spanien". Madrid wäre also gegenüber sämtlichen Einrichtungen der katalanischen Verwaltung weisungsbefugt.

Mehr als 5000 Menschen sind dem Aufruf der Bewegung "Hablemos, Parlem?" gefolgt - das heißt "Lasst uns reden" auf Spanisch und Katalanisch. "Spanien wird nicht geteilt und die nationale Einheit bleibt erhalten", sagte er der Zeitung "El País". "Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden gesetzgeberischen Instrumente nutzen, um das sicherzustellen". Dazu gehöre Verfassungsartikel 155, der es der Zentralregierung erlaubt, die Kontrolle über Regionen zu übernehmen, die gegen die Verfassung verstoßen. "Ich schliesse nichts innerhalb der Gesetze aus". Allerdings lag die Wahlbeteiligung bei nur 42 Prozent. Beim Referendum eine Woche zuvor, das vom spanischen Verfassungsgericht für illegal erklärt worden war, hatten zwar 90 Prozent für die Autonomie votiert. Auch Rajoy sagte, es seien "einige Fehler gemacht" worden. Aufgerufen hatte dazu die Katalanische Zivilgesellschaft, die 2014 als Gegenbewegung zum zunehmenden Separatismus in der Region gegründet worden war. Nach der spanischen Banco Sabadell hatte am Freitag auch die Großbank La Caixa entschieden, ihren Hauptsitz aus Katalonien herauszuverlegen. Puigdemont will nun Medienberichten zufolge am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur "aktuellen politischen Lage" beziehen. Ob er dabei die einseitige Unabhängigkeit ausrufen wird, ist aber nicht sicher.

Am 1. Oktober ließ er den Volksentscheid gegen den Willen Madrids und trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht durchführen.


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