Türkischer Außenminister Mevlüt Cavusoglu will Annäherung an Berlin

Hamburg. Der türkische Außenminister lässt ungewohnt versöhnliche Töne hören: Mevlüt Cavusoglu hat auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei gedrungen. "Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei", sagte Cavusoglu in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

"Wenn ihr einen Schritt auf uns zugeht, gehen wir zwei auf euch zu", zitiert der "Spiegel" den Politiker. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte zurückhaltend.

Hoffnungen setzt Çavuşoğlu dabei in die künftige Bundesregierung.

Die Türkei sei auch bereit, gegebenenfalls mit einem zukünftigen Außenminister Cem Özdemir zusammenzuarbeiten. "Es wäre falsch, die Beziehungen zwischen den Ländern über Einzelpersonen zu definieren". Der Grünen-Chef ist ein scharfer Kritiker Erdogans. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe immer nur auf Attacken aus Deutschland geantwortet. Die Nazi-Vergleiche Erdoğans seien eine "Antwort auf die Feindseligkeiten" aus Deutschland gewesen. "Die Bundesregierung muss lernen, die Türkei zu respektieren".

Im Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel zeigt sich der Außenminister indes nach wie vor nicht zu Zugeständnissen bereit. "Für uns ist er ein türkischer Staatsbürger, der sich wegen des Verdachts auf eine Straftat in Haft befindet", so Cavusoglu. Zugleich aber hat sich Cavusoglu für eine Beschleunigung des Verfahrens gegen den Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner eingesetzt, der im Juli ebenfalls in der Türkei verhaftet wurde.

Er hoffe, "dass wir uns alsbald wieder annähern können - vor allem im Interesse der Menschen in Deutschland und der Türkei". In Deutschland sei der Fall Yücel aufgebauscht worden, erklärte der Minister: "Die türkische Öffentlichkeit interessiert sich nicht für ihn".

Er forderte: "Wir müssen hier endlich zu Lösungen kommen". "Deutschland war, ist und bleibt gesprächsbereit und dialogorientiert", sagte Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, der WELT AM SONNTAG. Die türkische Regierung wirft Deutschland die Unterstützung von Terroristen vor.

Grundlage des Konsulatsunterrichts ist die Wanderarbeiterrichtlinie der EU von 1977. Ziel war es, dass Kinder von Arbeitnehmern, die sich vorübergehend im Ausland aufhalten, nicht den Kontakt zum Heimatland verlieren.

Den Vorwurf, Yücel werde aus politischen Gründen festgehalten, wies Cavusoglu zurück. Eisenmann sagte allerdings, dass ihr bisher keine Hinweise auf ein "flächendeckendes Problem" vorlägen.


Beliebt

VERBINDEN