Das Ostdeutsche Ampelmännchen wird 56

Heute ist es auf den Tag genau 56 Jahre her, dass der Verkehrspsychologe Karl Peglau seine neuesten Entwürfe präsentierte, um den Verkehr in der Stadt sicherer zu machen. Claudia Peschke, Jacobs University Bremen, schrieb in ihrer Studie über visuelle Effektivität von Ost- und West-Ampelmännchen: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Ost-Ampelmännchen nicht nur eine Ikone der ‚Ostalgie' sind, sondern bei der Signalwahrnehmung tatsächlich einen Vorteil gegenüber den West-Ampelmännchen haben". Auf der Startseite der Suchmaschine gibt es heute ein Ampelmännchen-Doodle. Wegen der damals zahlreichen Verkehrsunfälle entwarf er die heutigen Kultfiguren im Oktober 1961 - eigens als Signal für Fußgänger.

Für seine Erfindung der Ampelmännchen wurde Peglau 1962 sogar zum Vorsitzenden der Ständigen Kommission Verkehr von Berlin ernannt und zuständig für das Thema "Sicherheit im Verkehr". In den kommenden Jahren erklommen seine "echten Berliner Jören", wie er die Figuren rückblickend nannte, alle DDR-Ampeln. Freundlich, gemütlich, knubbelig - in Peglaus Augen ist es vor allem die "gemütliche Dicklichkeit" der Ampelmänner, die sie so beliebt gemacht haben.

Und dann sind da noch die Details, die Peglaus Männchen einzigartig machen: Sie tragen etwa einen Hut - auch wenn sich der Erfinder darüber zunächst den Kopf zerbrach. Erst als Peglau im Fernsehen Erich Honecker mit Strohhut sah, war der Weg frei. Doch es steckt viel mehr hinter den putzigen grünen Männchen. Er ist selber so alt wie der Mann in der Ampel, Anfang der Neunziger kam er als Studienabsolvent in die Künstlerszene im Ostteil Berlins. Einst habe Peglau einen Schritt nach rechts vorgesehen, doch das hätte nicht der Ideologie entsprochen.

Er erkannte den Charme der Figuren in der Nachwendezeit, als die alten Ampeln aus dem Stadtbild verschwinden sollten.


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