Forscher heilen Jungen mit Haut-Transplantation

Als der Bub 2015 mit sieben Jahren in die Bochumer Kinderklinik kam, waren bereits 60 Prozent seiner Hautoberfläche zerstört. Das führt schon bei kleinsten Belstungen zur Bildung von Blasen und zum Ablösen der Haut, was wiederum massive chronische Wunden zur Folge hat. Durch die schweren chronischen Wunden und Infektionen war er völlig ausgezehrt. "Deshalb entschieden wir uns mit Professor Michele de Luca von der Universität Modena für eine experimentelle Therapie".

Im Falle des betroffenen Jungen in Bochum, dem dritten Patienten, der auf diese Weise behandelt wurde, gelang es 80 Prozent der Haut zu rekonstruieren.

Daraufhin schickten die Bochumer Ärzte einige Hautzellen des Jungen an die italienischen Experten. Das um den Erbgutfehler bereinigte Hautgewebe wurde in Italien herangezüchtet und in Deutschland transplantiert. Zu Beginn der Behandlung lag Hassan wie eine Mumie in seinem Bett, von Kopf bis Fuß in Verbände gewickelt.

"Nach der zweiten Operation besserte sich sein Zustand enorm". Der kleine Hassan litt an einer Form der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa, auch Schmetterlingskrankheit genannt. Verletzungen an der neuen Haut heilen heute bei ihm wie bei jedem anderen Kind. Die Forscher zeigten, dass die neue Haut etwa so viel Anker-Protein Laminin-322 enthielt wie gesunde Haut.

"Ein Wunder und ein Segen" - so bezeichnet der deutsche Chirurg Tobias Hirsch die Krankengeschichte des kleinen Patienten.

Privatdozent Dr. Tobias Hirsch (40), Leitender Oberarzt am Uniklinikum Bergmannsheil: "Die Prognose war sehr schlecht".

Die Forscher sehen ihren Erfolg als Beweis, dass eine solche Gentherapie grundsätzlich möglich ist. Auch bei zwei anderen Patienten, die vor mittlerweile zwölf Jahren an kleineren Hautregionen mit einer gleichartigen Transplantation behandelt worden waren, gebe es keine derartigen Probleme, schreiben die Forscher in ihrem Fachartikel. Nach Angaben von Tobias Hirsch sind in Europa etwa 35.000 Kinder von der Schmetterlingskrankheit betroffen. Die Schwere der Erkrankung sei sehr unterschiedlich, eine die Ursache angehende Therapie werde dringend benötigt.

Grundsätzlich besteht bei Gentherapien wie der in Bochum eingesetzten das Risiko, dass sich das neue Gen an einer ungünstigen Stelle im Erbgut integriert. Dadurch können Regulationsprozesse in der Zelle gestört werden, Krebserkrankungen die Folge sein. Bisher fanden die Forscher bei dem Jungen auch keinen Tumor oder andere schädliche Entwicklungen.

Für Leena Bruckner-Tuderman, die an der Studie nicht beteiligt war, ist diese aus zwei Gründen wichtig: Zum einen zeige sie einen entscheidenden Fortschritt in der Stammzellbiologie der Haut. Die Medizinerin erwartet bei weiteren Verbesserungen der Methodik Hilfe auch für weitere Betroffene mit anderen Varianten der Erkrankung. Bei den verschiedenen Formen der EB sind die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt, je nachdem, welche genetische Ursache die Form hat, wie Leena Bruckner-Tudermann, Ärztliche Direktorin der Hautklinik des Universitätsklinikums Freiburg, erklärt.

Bisher können die Patienten mit Epidermolysis bullosa nur symptomatisch behandelt werden. Schließlich transplantierten sie die nachgezüchtete gesunde Haut fast auf die gesamte Körperfläche des Jungen.

"Heute ist seine Haut stabil, er geht zur Schule, spielt Fußball und kann ein weitgehend normales Leben führen".


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