Immer mehr Menschen in Deutschland müssen auf der Straße leben

Von den Wohnungslosen haben 52 000 überhaupt keine Unterkunft, sie leben komplett auf der Straße.

So sei das Angebot an bezahlbarem Wohnraum unzureichend, der Sozialwohnungsbestand schrumpfe ständig. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe (BAGW) ist die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Deutschland zwischen 2015 und 2016 um 55 000 (15 %!) auf 422 000 gestiegen. Das lässt die Zahl der Wohnungslosen insgesamt auf 860.000 Menschen ansteigen - ein Anstieg um zirka 150 Prozent seit 2014. "Wohnungslose Flüchtlinge sind sowohl Nachfragende in den Behelfsunterkünften als auch auf dem Wohnungsmarkt", erklärt Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG W.

Darüber hinaus fehlten mindestens elf Millionen Kleinwohnungen. Der Mangel an Ein- bis Zweizimmerwohnungen habe zu einem extremen Anziehen der Mietpreise in den Ballungsgebieten geführt.

Etwa zwölf Prozent der Wohnungslosen (ohne Flüchtlinge) sind EU-Bürger, viele leben auf der Straße. Sie leben vor allem in den Großstädten. Den 16,8 Millionen Einpersonenhaushalten stand demnach im vergangenen Jahr nur ein Angebot von 5,2 Millionen Ein- bis Zweizimmerwohnungen gegenüber.

Die Arbeitsgemeinschaft fordert von der künftigen Bundesregierung eine Kraftanstrengung, um die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu entspannen.

Gemeint ist damit eine Anschlussregelung für die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus: Seit 2006 sind die Bundesländer für dessen Förderung allein zuständig, der Bund trat seine Kompetenzen damals im Zuge der Föderalismusreform ab.

Der Bund und die Kommunen müssten deutlich mehr Verantwortung in der Wohnungspolitik übernehmen, forderte Werena Rosenke, Vizegeschäftsführerin der BAG. Um die Förderung von Sozialwohnungen wieder zu einer Gemeinschaftsaufgabe zu machen, wäre eine Änderung des Grundgesetzes notwendig. Hier seien auch die Kommunen in der Pflicht. Dazu gehörten auch Quoten für die Vermietung von geförderten Wohnungen an wohnungslose Menschen und die "gezielte Akquirierung von Wohnungsbeständen bei privaten Vermietern und der Wohnungswirtschaft".


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