Amnesty: Unternehmen profitieren von Kinderarbeit in Kongo

Führende Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony, aber auch deutsche Autokonzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen profitieren nach Angaben von Amnesty International von Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo.

In den Kobalt-Minen des zentralafrikanischen Landes, aus denen laut Amnesty mehr als die Hälfte des weltweiten Bedarfs gedeckt wird, riskieren demnach schon Kinder ab sieben Jahren ihr Leben und ihre Gesundheit.

Nach Expertenschätzungen wird jedes zehnte Kind auf der Welt zur Arbeit gezwungen. Dort findet bis Donnerstag die Weltkonferenz zur nachhaltigen Beseitigung der Kinderarbeit statt, an der Vertreter von Regierungen, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen aus 193 Ländern teilnehmen.

Die Menschenrechtsorganisation beklagte nun in einem aktuellen Bericht, dass es 29 untersuchten Unternehmen immer noch an Transparenz und dem Willen fehle, die Produktionswege und Herkunft der benötigten Rohstoffe ausreichend zu prüfen. Von VW und Daimler waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Durch den steigenden Bedarf an effizienten Energiespeichern in Elektroautos, Smartphones und für erneuerbare Energien steige auch die Nachfrage des für diese Technologien verwendeten Kobalts, erklärt Amnesty. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation mit dem Titel "Time to recharge" (Zeit zum Wiederaufladen) hervor. Keiner dieser Konzern komme seiner Pflicht zur Offenlegung der Lieferkette nach und unterbinde mögliche Menschenrechtsverletzungen, lautet das Fazit.

Besondere Defizite weist dem Bericht zufolge die Autobranche auf. BMW habe sich zwar in einigen Aspekten verbessert und schneide unter den Autoherstellern als bester ab, zeige jedoch weiterhin deutliche Mängel. Volkswagen und Daimler wiesen demnach "erhebliche Mängel" auf. "Kinderarbeit geht gar nicht", sagte ein Sprecher des Autobauers. Den Lieferanten sei dies sehr deutlich gemacht worden. BMW erklärte, dass sie bereits sehr strenge Standards anlege und kein Kobalt aus Minen zu beziehen, in denen Kinder arbeiten würden. "Wir wollen auch das Restrisiko ausschließen", sagte Zöbelein. Seit 1997 sei die Zahl arbeitender Kinder zwar um fast 100 Millionen gesunken.

Amnesty appellierte an alle kobaltverarbeitenden Unternehmen, ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht zu erfüllen, und erinnerte sie an die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie die Leitsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Minerale.

Mit Blick auf die Verbraucher betont Amnesty, es bestehe die Gefahr, beim Kauf eines Smartphones, Laptops oder E-Autos unwissentlich Kinderarbeit zu fördern.

An die neue Bundesregierung richtete John den Appell, die Einhaltung von Sorgfaltspflichten bei Menschenrechten verbindlich vorzuschreiben.


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