Krise: Militär übernimmt in Simbabwe zeitweise die Kontrolle

In Simbabwe mehren sich Anzeichen für ein Eingreifen des Militärs in die politische Krise des Landes im südlichen Afrika.

Am Dienstag waren gepanzerte Fahrzeuge auf den Hauptstraßen außerhalb der Hauptstadt beobachtet worden. Offiziere dementieren per TV-Ansprache die Gerüchte.

In Simbabwe hat das Militär die Macht übernommen. "Es handelt sich nicht um einen Militärputsch gegen die Regierung", verlas ein General in der Nacht zum Mittwoch eine Erklärung im staatlichen Fernsehen. Es gehe darum, Verbrecher zur Strecke zu bringen. Chiwengas Haltung ziele klar darauf ab, "den Landesfrieden zu stören" und "einen Aufstand anzustacheln", erklärte ein Sprecher der Zanu-PF von Präsident Mugabe. Sobald sich die Situation wieder normalisiert habe, solle zur normalen Regierung zurückgekehrt werden.

Der Militärvertreter forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. Medien aus Frankreich und den USA berichten zudem von mindestens drei Explosionen in der Stadt. Die US-Botschaft ermahnte ihre Staatsbürger in Simbabwe wegen der unklaren Situation zu großer Vorsicht und forderte sie auf, zu Hause zu blieben. Die US-Botschaft sollte am Mittwoch geschlossen bleiben. Ausserdem sollen Soldaten den Hauptsitz des staatlichen Radio- und Fernsehsenders besetzt haben, wie Agenturen berichten.

Eine Bürgerin in Harare sagte, dass im Zentrum der Stadt an fast jeder Kreuzung Soldaten zu sehen seien, was "sehr ungewöhnlich" sei. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Augenzeugen, gemäß denen mehrere Panzer in Richtung der Hauptstadt Harare rollen würden.

Vor einer Woche hatte Mugabe Vizepräsident Robert Emmerson Mnangagwa aus dem Amt entlassen, der danach ins Ausland floh und über Todesdrohungen klagte.

In den vergangenen Tagen hatte sich ein Machtkampf zwischen dem 93 Jahre alten Herrscher Mugabe und Armeechef Constantino Chiwenga zugespitzt. Simbabwes Regierungspartei wirft dem Armeechef Verrat vor. Mnangagwa und Chiwenga kämpften mit Mugabe gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Sie gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft.

Mugabe selbst hatte sich bis dahin nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach. Ein Experte der Risikoberatung Verisk Maplecroft erklärte, die erhöhte Militärpräsenz sei ein klares Zeichen, dass die Streitkräfte notfalls einschreiten würden, um Grace Mugabe als Präsidentin zu verhindern.

Simbabwe hat 15 Millionen Einwohner und gehört einem UN-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt.

In den frühen Morgenstunden war nach Angaben eines Anwohners in der Nähe des Wohnsitzes von Mugabe anhaltendes Gewehrfeuer zu hören gewesen. Das Land hat sich bislang noch nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt, in Folge derer es 2008 zu einer extremen Inflationsrate und dem Zerfall der Landeswährung kam.


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