Warum viele Todesfälle bei Krebs-OPs vermeidbar wären

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei anderen Krebs-Indikationen wie Speiseröhren-Krebs, Bauchspeicheldrüsen-Krebs sowie Blasen- und Darmkrebs.

Bei Lungenkrebs-Operationen etwa könnte die Zahl der Todesfälle rechnerisch von 361 auf 287 pro Jahr zurückgehen, wenn Kliniken die OP nur ab einer Fallzahl von 108 Eingriffen pro Jahr durchführen.

Diese "Gelegenheitschirurgie" sei nicht akzeptabel, kritisiert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. In Kliniken mit weniger Operationen sterben dagegen 4,1 Prozent der Patienten. Außerdem drohte Litsch den Kliniken: Die AOK werde Operationen künftig nicht mehr bezahlen, wenn die durchführenden Krankenhäuser sich nicht an die vorgeschriebenen Mindestmengen halten, sagte er. AOK fordert Mindestmengen für Krebs-OPs Die AOK fordert daher die Einführung von Mindestmengen für komplizierte Lungen- und Brustkrebs-OPs.

Große regionale Unterschiede bei Lungenkrebszentren Gerade bei der Lungenchirurgie gibt es laut dem Qualitätsmonitor große regionale Unterschiede. Das Problem seien die vielen Kliniken am anderen Ende des Spektrums: "Das sind in der Regel allgemeinchirurgische Abteilungen, die nur gelegentlich Thoraxchirurgie betreiben".

In Krankenhäusern mit wenig Routine bei Krebsoperationen ist die Todesfallrate höher als in spezialisierten Zentren.

Beispiel Lungenkrebs: In Krankenhäusern, die Patienten mit dieser Krebsart mehr als 75 Mal pro Jahr operieren, liegt deren Sterblichkeitsrate im Schnitt bei 2,5 Prozent. Am niedrigsten ist er dagegen in Berlin mit drei Prozent. "Offenbar gibt es bei diesem Thema in vielen Ländern noch erheblichen Handlungsbedarf", sagt Thomas Mansky.

Die Durchsetzung von Mindestmengen und Zentralisierung von Leistungen sei für Kliniken nicht einfach und ein "schmerzhafter Prozess", der aber angesichts der eindeutigen Datenlage "absolut folgerichtig" sei, betont Prof. Ralf Kuhlen, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Vielen Kliniken fehle die Erfahrung bei den komplizierten Eingriffen. Bei der Weiterentwicklung der IQM-Qualitätsindikatoren habe man Informationen über Mindestfallzahlen, die Breite des Leistungsangebotes und die Leistungsmengen berücksichtigt. "Die Krankenhausplaner der Länder bekommen mit dem Qualitätsmonitor einen hilfreichen Werkzeugkasten in die Hand".


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