Castorf am Berliner Ensemble: Premiere von "Les Misérables"

Der gefeuerte Volksbühnen-Chef brachte Victor Hugos Roman "Les Misérables" ("Die Elenden") auf die Bühne. Schon jetzt ist klar: Es wird ein langer Abend.

Frank Castorf hat sich mit einer bemerkenswerten Inszenierung zurückgemeldet. "Das hat meine Sympathie", sagte er.

An dem 1862 erschienenen, etwa 1700 Seiten umfassenden Roman von Victor Hugo interessiere ihn die große Bildkraft. Das liegt auch daran, dass Castorf sich für Hugos Geschichte um den Ex-Galeeren-Sträfling Valjean nicht wirklich interessiert. Castorf erklärte, er wolle eine mit vielen Assoziationen von der Arbeit Bertolt Brechts über Worte des Dichters Heiner Müller bis hin zur politischen Lage im heutigen Kuba gespickte Inszenierung zeigen. Valjeans Kampf um moralische Integrität und soziale Anerkennung mutet in all den Momentaufnahmen karibischer Tristesse oftmals fast störend an.

Gespielt wird in einem sich nahezu ständig drehenden Gewirr aus Büro, Gemüsemarktstand, Hotelzimmer, Treppen, einem Turm, Balkon und Gefängnis. Entworfen hat den Bau Bühnenbildner Aleksandar Denic. Wobei vor allem Großaufnahmen redender Köpfe gezeigt werden. Tatsächlich intensive Augenblicke haben lediglich Andreas Döhler als Jean Valjean und Jürgen Holtz in der Rolle eines betagten Priesters.

Künstlerisch konnte er damit aber nicht völlig überzeugen. In dieser und danach verließ eine auffällige Zahl von Zuschauern die Vorstellung. Die, die blieben, quittierten den Theater-Marathon gegen halb zwei nachts mit freundlichem Applaus.


Beliebt

VERBINDEN