Drei Dutzend Hinweise auf DHL-Erpresser: Soko umbenannt

Die Sonderkommission "Luise" wurde inzwischen umbenannt in Soko "Quer" - angelehnt an den QR-Code, mit dem die Millionenforderung an die DHL gestellt worden war. Der Potsdamer Sendung habe eine Nachricht beigelegen, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Sonntag. Experten bemühen sich weiter, ein bei der Entschärfung in Potsdam zerstörtes Paket wieder zusammenzusetzen. Anfang November war laut Polizei ein ähnliches Paket an einen Online-Händler in Frankfurt (Oder) gesendet worden.

Nach der Entdeckung eines verdächtigen Pakets in der Staatskanzlei in Thüringen gab die Staatsanwaltschaft Erfurt Entwarnung. Die Ermittler raten dazu, auf schlecht leserliche Adressen, Rechtschreibfehler, Flecken, Verfärbungen oder herausragende Drähte zu achten und sich im Zweifel an die Polizei zu wenden. Die Paketbomben könnten zu schwersten oder sogar tödlichen Verletzungen führen.

Berlin (Reuters) - Auf der Jagd nach dem Paketbomben-Erpresser prüft die Polizei Dutzende Hinweise aus der Bevölkerung. Ein ähnliches Schreiben in Frankfurt (Oder) könnte bei dem Feuer verbrannt sein. Die Ermittler gehen von einem regional agierenden Täter aus.

Die am Freitag in Potsdam entdeckte Paketbombe war an einen Apotheker adressiert, der beim Öffnen des Päckchens ein Zischen hörte. Die Polizei stellte später fest, dass das Paket Nägel und einen "Polenböller" enthielt, also einen sehr starken, in Deutschland nicht zugelassenen Feuerwerkskörper. Noch ist nicht geklärt, ob die Vorrichtung zündfähig war. Im Jahresdurchschnitt transportiere man täglich rund vier Millionen Pakete, derzeit seien es teilweise über sieben Millionen. Nach der Zerstörung der Paketbombe am Weihnachtsmarkt war zunächst auch ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen worden. Das in Köln aufgegebene DHL-Paket habe lediglich zusammengerollte Kataloge enthalten.

Neben den Hinweisen gingen bei der Polizei auch zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein, die sich grundsätzlich informieren wollten, sagte ein Sprecher. Bisher stelle man keine Verhaltensänderungen bei seinen Kunden fest, so der Konzern.

Eine erste Überprüfung durch die Polizei ergab, dass sich im Paket möglicherweise eine Wurfgranate befindet. Maßnahmen wie am Flughafen, also ein Durchleuchten der Pakete, seien aber schon wegen der Menge der Pakete schwer vorstellbar, sagte Hermes-Sprecher Ingo Bertram. Das Unternehmen transportiert täglich rund 2,3 Millionen Lieferungen. "Dennoch: Mögliche Gefährdungen wie diese sind kein Szenario, das für uns gänzlich neu ist oder erst seit Sonntag existiert".


Beliebt

VERBINDEN