Kartellamt legt Tickethändler Eventim die Zügel an

Der Bundeskartellamt hat den Ticketvermarkter CTS Eventim erneut in seine Schranken verwiesen.

Im November hatte die Behörde der Übernahme der Konzertagentur Four Artists durch den Ticketvermarkter CTS einen Riegel vorgeschoben. "CTS Eventim ist als Anbieter des mit Abstand größten Ticketsystems in Deutschland marktbeherrschend", erklärte Mundt. Unternehmen in einer solchen Marktposition würden kartellrechtlich besonderen Pflichten unterliegen. Wenn CTS Eventim seine Vertragspartner verpflichte, Tickets ausschließlich über das Ticketsystem von CTS zu vermitteln, nutze das Unternehmen seine Marktmacht zulasten des Wettbewerbs aus.

Wie die Wettbewerbsbehörde am Montag mitteilte, darf die Firma ihren Partnern nicht vorschreiben, Tickets ausschließlich oder zu einem Großteil nur über das System "Eventim.net" zu verkaufen.

In einer Stellungnahme teilte Eventim mit, dass das Bundeskartellamt "den lebhaften Wettbewerb" verkenne. Dieser habe sich durch vielfache Markteintritte digitaler Anbieter im In- und Ausland laufend verschärft. Der Ticketvermarkter müsse davon ausgehen, "dass das Kartellamt mit einer vorgefassten Überzeugung in dieses Verfahren gegangen ist". "Wir bedauern sehr, dass sich die Behörde nicht ausreichend mit unseren starken Gegenargumenten auseinandergesetzt hat, zumal diese durch aktuelle Studien und ökonomische Gutachten gestützt werden".

Eventim kritisierte die Entscheidung und kündigte an, vor Gericht auf eine Korrektur des Beschlusses hinwirken zu wollen.

Hanns-Wolfgang Trippe, Strategieberater im Segment Ticketing, machte darauf aufmerksam, dass Exklusivvereinbarungen andernorts längst normal sind: In den USA seien es Anbieter wie Ticketmaster, AXS, Ticketfly und See Tickets, die über eine Vormachtstellung verfügten und so den Markteintritt potenzieller Wettbewerber effektiv verhinderten. Zum Beispiel über das verfügbare Geld. Dass die Ticketpreise wegen der Entscheidung des Bundeskartellamtes auf lange Sicht günstiger für den Verbraucher werden, glaubt Trippe nicht.

Dabei ist mehr Wettbewerb genau das, was das Bundeskartellamt mit seiner Entscheidung erreichen will. Durch das Verbot der Exklusivvereinbarungen würden nun bedeutende Ticketkontingente für den Vertrieb durch konkurrierende Ticketsysteme geöffnet.


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