Die schwarzen Kassen des Helmut Kohl

Kohl habe so noch größeren Schaden von sich und der CDU abwenden wollen, sagte der Journalist Egmont Koch, der in einem Verbund von SWR und "Spiegel" zu dem Thema recherchiert hat. Die anonymen Spender hätten als Pappkameraden gedient, um den Blick auf schwarze Kassen aus der Flick-Zeit der siebziger Jahre zu verstellen: "Es gibt keine anonymen Spender". War das legendäre "Ehrenwort" des Altkanzlers also erfunden?

Aus diesem System schwarzer Kassen habe sich Kohl, seit er 1973 CDU-Vorsitzender geworden war, mehr als 25 Jahre bedient. Wenn Kohl mal wieder die offiziellen Parteikonten überzogen hatte, weil beispielsweise 800.000 D-Mark für persönliche Briefe des Kanzlers an alle CDU-Mitglieder ausgegeben worden waren, musste das Geld eben irgendwie beschafft werden.

Vor zwei Jahren sorgte Wolfgang Schäuble in einer ARD-Dokumentation des SWR bereits mit einer Behauptung zu Helmut Kohls Spendenaffäre für Aufsehen. Dass vieles von dem, was die Journalisten berichten, schon lange bekannt ist, kann dabei nichts an der Einschätzung ändern, dass es sich um zwei herausragende Arbeiten handelt. Es hätte nur wenig gefehlt und es wäre zu einer Amnestie gekommen, von der besonders derjenige profitiert hätte, der mit Millionenbeträgen jahrzehntelang politische Landschaftspflege betrieben hatte: Der frühere Flick-Geschäftsführer Eberhard von Brauchitsch (1926 - 2010). Er gab erst kurz vor seinem Tod Auskunft und war erzürnt - weil Kohl nicht geliefert habe, was von ihm erwartet worden sei. Helmut Kohl gab ausschließlich zu, "zwischen 1993 und 1998" Spenden an der offiziellen Parteikasse vorbei angenommen zu haben.

Von Brauchitsch und Biedenkopf hatten der als Hoffnungsträger der Konservativen galt, laut des Dokumentarfilms ein System geheimer Kassen aufgebaut, aus dem Kohl vorwiegend seinen Wahlkampf finanziert haben soll. Im Hintergrund dienten eine "Staatsbürgerliche Vereinigung" und die Steyler Mission in Sankt Augustin als Waschanlagen für illegale Parteispenden.

Bundestagswahl historisch

Kronzeuge des Schwarze-Kassen-Systems ist Rüdiger May, der von 1979 bis 1989 Hauptabteilungsleiter Organisation der Bundes-CDU war. Er bewahrte Kohl 1999 durch eine Falschaussage vor der Verurteilung wegen falscher uneidlicher Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Es spricht eindeutig für Lamby und Koch, dass sie diese und weitere Aufzeichnungen eben nicht von irgendeinem deutschen Schauspieler vortragen lassen, sondern von einem der Allerbesten.

Der Altkanzler war damals über die Aussage nicht amüsiert. Er verbreitete, Lüthje habe selbst in die Kassen gegriffen, was Lüthje kurz vor seinem Krebstod dazu veranlasste, im "Spiegel" die ganze Wahrheit zu offenbaren.

Aus den Dokumenten, die all dies belegen, liest in der Dokumentation von Lamby und Koch ("Bimbes - Die schwarzen Kassen des Helmut Kohl, Montag um 22.45 Uhr im Ersten) auch Kohls Weggefährte Norbert Blüm vor". Ihm ist die Erschütterung anzumerken, die auch das Publikum ereilen dürfte.


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