Mehr Menschen als bekannt arbeiteten unter Mindestlohn

Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Potsdam. In Deutschland bekommen rund 1,8 Millionen Menschen für ihre Arbeit keinen Mindestlohn, obwohl sie Anspruch darauf haben.

Viele Erwerbstätige fallen nicht unter die gesetzlichen Mindestlohnregeln, insbesondere Selbständige und Auszubildende wie auch Beschäftigte in den Branchen, in denen längere Übergangsfristen verabredet wurden.

Laut dem DIW seien im Jahr 2016 unter der breiteren Fassung sogar 3,3 Millionen Menschen (also rund zehn Prozent der Beschäftigten) so beschäftigt, dass sie - inklusive der branchenspezifischen Mindestlöhne - weniger Geld verdienten als ihnen laut Gesetz zustünde. Im Unterschied zur Regierung bezieht sich das DIW nicht auf die Angaben der Betriebe, sondern der Beschäftigten. Das liegt zum Teil daran, dass der Mindestlohn nicht für alle gilt, zum Beispiel nicht für Selbstständige. Das entspricht sieben Prozent aller Anspruchsberechtigten. Jedes Jahr machen dafür Menschen aus ungefähr 15.000 Haushalten Angaben über ihr Einkommen und ihre Arbeitszeit.

Besonders häufig betroffen sind demnach die sogenannten Minijobber. "Darüber hinaus sind Frauen mehr davon betroffen als Männer und ostdeutsche Beschäftigte mehr als westdeutsche", sagt Fedorets.

Wird der tatsächliche Stundenlohn der ArbeitnehmerInnen betrachtet, also auf Basis der tatsächlichen statt der vertraglichen Arbeitszeit gerechnet, steigt die Zahl derjenigen, die weniger als den Mindestlohn bekommen, laut SOEP-Daten von 1,8 auf 2,6 Millionen Personen an für das Jahr 2016. "Aus dieser Diskrepanz kann man schließen, dass vor allem unentgoltene zusätzliche Arbeitszeit einer der Kanäle ist, der es Arbeitgebern ermöglicht, unter dem Mindestlohn pro Stunde zu zahlen", sagt Studienautorin Fedorets.

Die auseinanderklaffenden Zahlen lassen sich laut DIW durch die unterschiedliche Datengrundlage der beiden Erhebungen erklären: Während die Mindestlohnkommission auf die Angaben der Unternehmen zurückgreift, befragte das DIW die Beschäftigten selbst im Rahmen des "sozio-ökonomischen Panels".

Die Studie des DIW hat aber auch eine positive Nachricht: Auch wenn der Mindestlohn noch nicht lückenlos durchgesetzt wird, so wirkt er doch. Unterm Strich hat die Einführung des Mindestlohns zu einer deutlichen Steigerung der Gehälter im Niedriglohnsektor geführt.


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