Papst bemängelt Vaterunser-Übersetzung

Streit um das wichtigste Gebet der Christenheit - zumindest um die deutsche Übersetzung!

Papst Franziskus gefällt die Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" nicht. Dies sei "keine gute Übersetzung", sagte er laut der Nachrichtenagentur Kathpress in einem Interview des italienischen Senders TV2000.

"Ich bin es, der fällt, aber es ist nicht er, der mich in Versuchung geraten lässt". "Ein Vater hilft, sofort wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan", so Franziskus.

Warum geht dieser Konflikt so weit über Wortklauberei hinaus?

Das Vaterunser ist nicht nur das wichtigste und meistgesprochene Gebt der Christenheit. Laut Neuem Testament geht das Gebet auf Jesus selbst zurück, der es seine Jünger gelehrt haben soll.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Die freie Übersetzung lautet nun: "Lass uns nicht in Versuchung geraten". Auch der Vorschlag "und führe uns IN DER Versuchung" kursierte in Fachkreisen. In dem Gespräch sagte Franziskus, in Frankreich hätten die Bischöfe aus diesem Grund beschlossen, die offizielle Übersetzung des Vaterunser zu ändern. Das französische Verb "soumettre" (unterwerfen) wird also durch "ne pas laisser entrer" (wörtlich: nicht eintreten lassen) ersetzt. Die Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" sei in dieser Formulierung bei den Evangelisten Matthäus und Lukas überliefert.

Auch Theologen im deutschen Sprachraum halten eine Anpassung für sinnvoll.

Dagegen warnte jetzt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer vor einer "Verfälschung der Worte Jesu". Der Papst äußerte sich in einer Kurzserie zu den Vaterunser-Bitten. "Die Bibel würde aufhören, Zeugnis von Gottes Offenbarung zu sein", zitiert ihn sein Bistum aus einer früheren Predigt.


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